08.12.2016: Krimitag in Mannheim mit Claudia Schmid, Wolfgang Burger, Walter Landin und Harald Schneider

Alljährlich wird am 08. Dezember dem Todestag von Friedrich Glauser (1896 – 1938), dem ersten deutschsprachigen Krimiautor, gedacht. Zu seinen Ehren finden in ganz Deutschland Benefiz-Lesungen statt. Auch das Polizeipräsidium Mannheim schloss sich vor drei Jahren dieser Tradition an und lud in diesem Jahr wieder zu einer Lesung mit vier Krimiautor(inn)en ein.

Zu diesem Anlass öffnete das Präsidium um 18.30 Uhr seine Pforten, Beginn der Lesungen sollte um 19.30 Uhr. Der Eintritt von 10 EUR pro Karte ging an den Weissen Ring e.V., wie auch weitere Spenden z.B. für Getränke oder Brezeln.

Unterstützt wurde der Abend durch die Buchhandlung Bücher Bender, die den Kartenvorverkauf in die Hand nahm und auch an einem umfangreichen Büchertisch die aktuellen Werke der teilnehmenden Autor(inn)en anbot.

Ein Abend mit vier Autoren, alle dem Krimi-Genre verschrieben, reizte mich schon sehr und so bemühte ich mich telefonisch um eine Karte. Man reagierte sehr freundlich und nett auf meine Anfrage. Da ich nicht aus Mannheim stamme, sagte man mir zu, dass ich die Karte auch an dem Abend vor Ort auslösen könnte.

Kaum in den Hallen des Präsidiums angekommen, konnte ich auch schon die Karte auslösen. Es hatte perfekt geklappt und auch der Büchertisch sah sehr verlockend aus. Aber zunächst wollte ich mir ein Bild von den Örtlichkeiten machen und den ersten Lesungen lauschen.

Pünktlich um halb acht scheuchte man uns in den historischen Bezirksratsaal. Leider war der Schirmherr der Veranstaltung Thomas Köber verhindert. Er wurde von Polizeivizepräsidentin Denner vertreten, die das Publikum, welches mit rund 130 Personen doch größer war, als ich zunächst dachte, begrüßte und willkommen hieß.

Es folgte eine kurze Ansprache der Autorin Claudia Schmid, die diese Veranstaltung vor drei Jahren das erste Mal ins Leben rief, indem sie eine Anfrage bei Kriminalhauptkommissar Thomas Habermehl, dem Leiter der Außenstelle des Weissen Rings e.V. in Mannheim, stellte.

Auch Kriminalhauptkommissar Thomas Habermehl begrüßte nun die Gäste und gab einen kleinen Einblick in seine Arbeit für den Weissen Ring e.V. und was mit dem Geld alles bewirkt werden kann bzw. für was es Verwendung finden wird.

Die erste Lesung des Abends sollte von Wolfgang Burger aus seinem neusten Roman Schlaf, Engelchen, schlaf um den Heidelberger Kripochef Alexander Gerlach sein. Bevor Wolfgang Burger jedoch beginnen durfte, musste er Claudia Schmid erst drei Fragen beantworten:
1. Wieso schreibt er Krimis?

Seine Antwort fiel zunächst recht kurz aus: „Wieso nicht?“
Dann führte er weiter aus, dass man in Krimis alles reinpacken kann, was einen bewegt, was man erlebt, egal ob es in der Politik ist, in der Liebe, bei der Arbeit. Alles, was den Menschen bewegt oder berührt, lässt sich wunderbar in einem Krimi verarbeiten, denn im Gegensatz zu z.B. einem Fantasyroman, hat ein Krimi mit dem wirklichen Leben zu tun.

2. Warum schreibt er überhaupt?

Wolfgang Burger ist studierter Ingenieur. Das lockt die Frage des Öfteren hervor. Wobei die Frauen eher denken würden, Ingenieure können nicht schreiben, während Männer sich wundern, warum er schreibt, hat er doch etwas Ordentliches gelernt und einen guten Beruf.
Wolfgang Burger erklärte, dass er mit Mitte 40 in eine der besagten Midclife Crises fiel und etwas ganz verrücktes machen wollte. Während andere in dem Alter sich dann vielleicht eine Jacht zulegen, wollte er etwas tun, was kein zusätzliches Geld kostet, vor allem nicht so viel und er jederzeit damit wieder aufhören könnte, sollte es schief gehen oder er die Lust daran verlieren.

3. Ob er gerne Lesungen veranstaltet, bzw. daran teilnimmt.

Sehr gerne. Es macht ihm viel Spaß, vor allem auch die Nähe zu den Lesern. Selbst wenn nur zwei Zuhörer kommen sollten, hätte er damit kein Problem, aber vor so einem großen Publikum macht es natürlich deutlich mehr Spaß.

 

Um 19.40 Uhr legte Wolfgang Burger dann mit der ersten Passage (S. 183 ff.) los. Ein wenig hektisch und zu schnell, was wohl der Aufregung geschuldet sein durfte, denn mit der Zeit wurde er ruhiger und man konnte ihn auch besser verstehen. Da ich die vorangegangenen 12 Bände zu Alexander Gerlach schon kannte, waren mir sowohl der Schreibstil von Wolfgang Burger, wie auch sein Humor bekannt. Es wunderte mich daher nicht, dass das Publikum schon bald anfing, leise zu kichern. Als Wolfgang Burger dann den sächsischen Dialekt der beiden Leipziger Polizeibeamten nachzuahmen versuchte, lachte das Publikum los. Gekrönt wurde seine Lesung durch eine kleine Anekdote zu der vorgelesenen Knastszene.

 

Um 19.55 Uhr übernahm Claudia Schmid den Vorlesesessel, natürlich nicht, ohne vorher drei Fragen beantworten zu müssen. Bei diesen Fragen ging es in der ersten um ihr neustes historisches Buch – Die Feuerschreiber, welches Claudia Schmid kurz vorstellte.

Bei der zweiten Frage, war das Thema, ob die Autorin auch andere Bücher schreibt. Kürzlich erschien ein Thriller … als Ebook bei Midnight by Ullstein unter dem Titel Der Versuch.

In der dritten und letzten Frage ging es darum, was wir heute zu hören bekommen. Es war eine Kurzgeschichte, die in dem Sammelband Amors tödliche Pfeile unter dem Titel Die badische Brezel (S. 158) erschienen ist.

Es war nicht meine erste Lesung mit Claudia Schmid, aber dennoch will ich es einfach nicht lernen. Was? Naja, der Einstieg in die Lesung ist zugegebenermaßen immer ein wenig … laut. Sehr laut. Um nicht zu sagen, ich bilde mir sogar ein, dass die Scheiben in dem altehrwürdigen Saal ein wenig vibriert haben, als die Autorin stimmgewaltig den ersten Satz bestehend aus nur einem Wort „Eeedelgard!“ schmetterte.

Danach war garantiert das komplette Gebäude wach, ich wieder halb taub, und leise fluchend, weil ich es wieder mal vergessen hatte. Aber gut, die erste Hürde war genommen, denn danach ging es gewohnt spannend und vor allem aufregend weiter. Denn Claudia Schmid liest nicht nur vor, sie schauspielert immer noch ein wenig, haucht den verschiedenen Protagonisten eigenes Leben Gewalt ihrer Stimme ein. Leider wurde Claudia Schmid durch das Klingeln eines Handys recht schnell unterbrochen. Die Besitzerin des Handys kruschelte verzweifelt nach ihrem Gerät, während ihre Gesichtsfarbe einen schönen Rotton annahm und sie sich irgendwie nicht entscheiden konnte, ob sie nun fluchte oder sich entschuldigte. Claudia Schmid nahm die Unterbrechung gelassen und auch die anderen Zuhörer lächelten oder kicherten sogar leise.

Kaum war das Smartphone verstummt, konnte es weitergehen und so ließen wir uns nach Karlsruhe entführen, sponnen diverse Mordszenarien, nur, um uns dann von einem Betrüger übers Ohr hauen zu lassen. Und ja, Papier trocken zu schlucken, kratzt ganz schön im Hals, daher gab es nach der Lesung von Claudia Schmid um 20.20 Uhr eine kleine Pause mit Umtrunk.

Kriminalhauptkommissar Thomas Habermehl läutete im wahrsten Sinne des Wortes (nämlich mit einer Kuhglocke) um 20.50 Uhr das Ende der Pause ein.

Den Anfang nach der Pause machte Walter Landin. Auch ihm wurden drei Fragen gestellt.

 

1. Was sagte Walter Landins Protagonist Kommissar Lauer zum Wahlsieg von Donald Trump?

Walter Landin meinte, dass es ihm zunächst die Sprache verschlagen hätte, dann jedoch hatte er sich bei einem Schluck guten Rotweins wieder gefangen, festgestellt, dass in Mannheim genug Schurken umherliefen, um die er sich als Kommissar zu kümmern hatte und dass es hierbei egal sei, ob es nun ein Donald Trump handelte oder einen Donald Duck.

2. Womit sich Kommissar Lauer aktuell beschäftige.

Mit einem neuen Fall, der voraussichtlich März 2017 erscheinen werde. Dieser spiele u.a. im Leonardo Hotel in Mannheim.

3. Und was treibt Walter Landin um?

Der Autor möchte vor allem Zeit mit seiner Familie verbringen, Krimis schreiben und viele lange Spaziergänge mit seinem Hund machen, denn dabei kommen ihm die besten Ideen. Immerhin wären viele seiner Geschichten authentischer Natur.

Und damit stieg der Autor in die Kurzgeschichte Der Mord in der Schimperstraße (S. 7 ff) ein, die aus seiner Kurzgeschichtensammlung Mehr Morde im Quadrat stammt.

Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ich einen Lehrer oder Dozenten vor mir sitzen hatte. Bisher hatte ich zwar einige Bücher bzw. Geschichten von Walter Landin gelesen gehabt, ihn jedoch noch nie persönlich getroffen. Doch sein Auftreten und die Art des Vorlesens, ruhig, betont und beinahe sachlich, erinnerte mich doch sehr an meine Schul- und Studienzeit.

Die Geschichte dagegen verwirrte mich eher als dass ich damit zurechtkam. Auch das Publikum war zunächst verwirrt, einzelne Lacher kamen dann bei der Stelle mit der Kellnerin auf. Im Nachgang muss ich sagen, wenn man die Geschichte vor sich hat, das Druckbild sieht, die unterschiedlichen Schriftarten, dann ist sie verständlich, nachvollziehbar und logisch. Vorgelesen jedoch konnte sie mich nicht komplett überzeugen.

Um 21.04 Uhr begann dann das große Umräumen. Der Sessel, in dem die Autor(inn)en bisher gemütlich sitzen konnten, wurde weggeräumt, die Lampe, die dem Ganzen ein heimeliges Flair verlieh verschwand, dafür tauchte ein kleiner Tisch mit einer Ente auf. Mit einer Ente? Ja, ich wurde schon wieder verwirrt. Wozu die Ente? Ein Talisman? Deko? Ich ließ mich überraschen.

 

Auch Harald Schneider musste zunächst drei Fragen beantworten:

1. Warum schreibt er Krimis?

Weil es ihm Spaß macht. Vor allem das Schreiben und Recherchieren, das Eintauchen in die Fälle und die Gedankengänge, ehe der Fall dann seine Auflösung findet. Jedoch konnte er bislang auf eine Frage keine Antwort finden. Aber er hatte die Hoffnung, dass die Anwesenden ihm vielleicht weiter helfen können: „Komme ich in Haft, wenn ich meine Frau mit einer antihaftbeschichteten Bratpfanne erschlage?“

Leider wurde ihm die Frage nicht beantwortet, dafür erntete er sehr viele Lacher.

2. Ob er gerne ein Detektiv wäre.

Ein eindeutiges JA. Schon als Kind hat er viele Fälle und Geheimnisse lösen wollen und das hat sich bis heute bei ihm gehalten.
Aber ob er damit so erfolgreich wäre, bliebe abzuwarten, denn immerhin suche er noch den Mörder seiner Frau, was dann die dritte Frage überraschend ins Spiel brachte.

3. Seine Frau wurde ermordet?

Nein, er suche ja noch nach einem Mörder.

Und schon konnte es losgehen. Harald Schneider berichtete zunächst von dem neuen Buch, dem 14. Band seiner Palzki-Bücher, welcher dieses Mal im Luisenpark spielen wird. Dabei werden viele Echtpersonen einen Auftritt haben, wie auch schon in den Vorgängerbänden immer wieder Echtpersonen aufgetaucht sind.

Harald Schneider las im Stehen aus seinem Buch Mordsgrumbeere (Band 13). Diese Art der Lesung hatte den Vorteil, dass er freier war in seinen Bewegungen. Er riss das Publikum durch seine Art regelrecht mit, brachte Emotionen rüber und Agilität. Man konnte ihn dabei sehr gut verstehen, er sprach zwar manchmal etwas schnell, jedoch so deutlich, dass man keine Probleme hatte. Lediglich als Frau Ackermann ihren Auftritt (s. 137 ff) hatte, stieg ich bald aus. So schnell konnte doch niemand sprechen und dabei auch noch verstanden werden? Unglaublich, wie schnell Harald Schneider sprechen konnte. Dabei kam im Übrigen auch die Ente zum Einsatz. Diese war wohl Frau Ackermann gewidmet und durfte jedes Mal fröhlich Quaken, wenn Frau Ackermann in die Nähe kam.

Die gewählten Szenen waren perfekt, um den Abend mit lauten Lachern ausklingen zu lassen.

Am Ende bedankte sich Claudia Schmid noch einmal im Namen aller Beteiligten beim Publikum, lud zu einer Signierrunde und einem Gruppenbild ein und beendete den Abend mit dem Satz:

MORD IST EINE ERNSTE SACHE!

 

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