Röckle, Doris: Die Flucht der Magd

Die Flucht der Magd
Doris Röckle
Hist
Knaur
02. November 2016
Ebook / Taschenbuch
606

 

Die Leibeigene Hanna wird als Magd auf die Burg Montfort gebracht. Dort soll sie für den Grafen als Waschmagd arbeiten. Als kurz nach Hanna die neue Gemahlin auf der Burg eintrifft, soll sie mit ihrer Freundin Lena eine geheimnisvolle Kammer neben den Gemächern der Gräfin sauber machen und einrichten.

Bald bemerkt Hanna, dass dort ein kleiner Junge gefangen gehalten wird. Als es ihm immer schlechter geht, fasst Hanna einen folgeschweren Entschluss. Trotz winterlicher Temperaturen flieht Hanna mit dem Jungen von der Burg. Jedoch hat sie nicht mit den Häschern des Grafen gerechnet, die sich ihr schon bald an die Fersen heften …

Ich muss zugeben, dass ich von dem Druck und der Bindung des Buches überrascht war. Als es hier ankam, war ich zunächst verwundert, wie dick das Buch doch ist und wie klein im Verhältnis dazu. Das Format erleichterte das Lesen nicht unbedingt.

Die Geschichte dagegen war sehr schön geschrieben. Hanna ist zwar eine Leibeigene, aber auf der einen Seite möchte sie dagegen aufbegehren, auf der anderen hat sie auch wieder Angst vor den möglichen Folgen. Als eine einfache Magd steht sie ziemlich weit unten, weiß aber zeitgleich sich durchzukämpfen, wo sie Hilfe oder Rat findet und schätzt diesen. Die Gedankengänge, ihre Handlungen waren für mich nachvollziehbar, auch wenn ich selbst manches Mal anders reagiert hätte.

Der Schreibstil ist flüssig, spannend, aber auch plastisch. Nicht nur Hanna, auch die anderen Protagonisten bekommen ein eigenes „Gesicht“ verliehen. Die Autorin beschreibt schwierige Handlungen nachvollziehbar und für das Kopfkino gut vorstellbar, ohne sich dabei zu sehr ins Detail zu verlieren.

Hanna ist mit ihrem Hinkefuß und ihrem Pockennarbengesicht wahrlich keine Heldin, aber das muss sie auch nicht sein. Sie ist ein einfaches Mädchen aus dem Volk, dem das Wohl eines ihr unbekannten Jungen am Herzen liegt. Ihr Bestreben ist es, ihn gesund in Sicherheit zu wissen und dafür nimmt sie einige Gefahren auf sich. Als Leser darf man sie begleiten und hoffen, dass es bald zu einem guten Ende kommen wird.

Fazit:
Für ein Erstlingswerk eine solide Geschichte mit einer sympathischen Protagonistin, die dem Leser nicht nur das Leben als einfache Magd präsentiert, sondern ihn auch in das Leben der einfachen Leute in und um eine Burg blicken lässt.

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