Landys, Eva-Ruth: Stadt der Schuld

Stadt der Schuld
Die dritte Sünde, Teil 2
Eva-Ruth Landys
Historisch
Bookspot Verlag
10. September 2013
Hardcover
544

Manchester, 1840: Cathy und Aaron sind mittlerweile verheiratet und erwarten ein Kind. Sie haben sich vor Isobels Racheplänen in die Industriestadt Manchester geflüchtet. Dort leben sie unter schweren Bedingungen. Beide arbeiten der Textilfabrik von Mr Ashworth. Cathy ist im fortgeschritten Stadium einer Schwangerschaft und muss dennoch gefährliche Maschinen bedienen. Trotz der ganzen Arbeit, reicht der Verdienst gerade so zum Überleben. Als aber ein Kollege von Aaron stirbt und seine Frau drei der sechs gemeinsamen Kinder alleine zurücklässt, verschlimmert sich die Situation von Aaron und Cathy gewaltig. Beiden ist klar, sie können und wollen die Kinder nicht sich selbst überlassen. Aber wie können sie so viele Münder ernähren?

Als Cathy dann Wehen bekommt und dabei mit dem Arm in eine der Maschinen gerät, fängt die Verzweiflung an Aaron zu nagen. Zwar überleben Cathy und das Kind, doch kann Cathy zunächst sehr lange nicht mehr arbeiten. Mary – die älteste der aufgenommenen Kinder – soll Cathy zwar vertreten, doch Mr Ashworth sieht mehr in dem aufblühenden Mädchen und macht ihr Avancen. Aaron bewirbt sich um einen freiwerdenden und besser bezahlten Posten, wird jedoch zu den Hochöfen abgestellt, als er es wagt, der beginnenden Romance zwischen Mr Ashworth und Mary im Wege zu stehen.

Zeitgleich lernt Horace Havisham, der Ehemann von Isobel, die Liebe seines Lebens kennen. Als diese seine Liebe dann auch noch erwidert, scheint sein Glück perfekt. Doch dann brechen die Folgen seines skrupellosen Handelns über ihn herein. Dann zeigt ihn sogar seine eigene Frau ihn noch wegen Mordes an ihrem Bruder an. Für Horace beginnt ein Kampf, gegen Isobel, für seine Liebe und nicht zuletzt um sein eigenes Leben.

Der zweite Teil der erotisch-historischen Romane von Eva-Ruth setzt nahtlos die Geschichte von Cathy und Aaron fort. Zwar sind sie mittlerweile in Manchster und damit weit genug von Isobels Einfluss weg, doch geht es ihnen hier nicht wirklich besser.

Sehr detailliert und eschreckend beschreibt die Autorin die Zeit der industriellen Revolution in England. Das Elend, das man zur damaligen Zeit an jeder Straßenecke fand, spiegelt sich hier auf jeder Seite wider. Man kann sich heute nur schwer vorstellen, so zu leben und so um ein Überleben zu kämpfen. Immer wieder packen einem beim Lesen die Zweifel, ob so ein dahin vegetieren überhaupt lebenswert ist und was Aaron und Cathy letztlich dazu motivierte, weiter zu machen.Ständig drohte, selbst bei kleinsten Vergehen, die Deportation nach Australien. Wobei hier dann die Frage im Raum stand: kommt man dort überhaupt lebend an? Viele starben schon, bevor die Reise überhaupt los ging und andere, durch die Zeit davor sehr geschwächt, während der Reise.

Aber Cathy versucht immer das Gute zu sehen und hält damit sich und die anderen bei Laune. Beim Lesen kam Cathy einem immer als strahlendes kleines Licht in einer düsteren Welt vor. Aaron erschien mir dagegen sehr viel kämpferischer als im ersten Band, aber sowohl sein Dämon, wie auch seine Verzweiflung, die hier nur eine andere Ursache hat, sind allgegenwärtig.

Die Geschichte ist in diesem Buch zweigeteilt. Zum einen stehen Cathy und Aaron im Fokus, zum anderen Horace, Isobel und der Berufsspion Armindale, der im Auftrag von Isobel und ihrem Vater gegen Horace Beweise für den Mord an Isobels Bruder sammelt.

Die Geschichte ist dick gepackt, aber dennoch glaubhaft geschrieben. Viele Emotionen wie Wut, Trauer, Freude, Schmerz oder auch Hass lösen sich nicht zuletzt beim Leser ab. Aber auch der erotische Part kommt bei diesem Buch nicht zu kurz.

Die beiden Hauptprotagonistinnen Cathy und Isobel aus dem ersten Teil geraten hier eher in den Hintergrund. Mary, Armindale und vor allem Horace treten stärker auf und man lernt nicht zuletzt Horace besser kennen und auch seine Motive für seine Handlungen besser verstehen. Auch Aaron wirkt ziemlich blass, wobei im letzten Drittel des Buches, seine Vergangenheit näher beleuchtet wird und der Leser auch Aarons Dämon kennenlernt.

Natürlich spinnt Isobel wieder Intrigen und setzt wieder ihren Kopf durch. Doch ist ihre Rolle bei weitem nicht so ausgeprägt, wie im ersten Teil.

Mary, als neue Figur, bekommt gleich eine starke Position bei den Protagonisten. Mit ihr beginnen auch die erotischen Stellen wieder. Ist sie zunächst noch das kleine verlassene Mädchen eines einfachen Arbeiters in der Texilfabrik, wird sie schneller zur Frau, als es gut für sie wäre. Dies merkt man an ihren Handlungen ganz deutlich. Ihre Entwicklung ist glaubhaft. Durch den Tod des Vaters und den Verlust der Mutter erschüttert, sucht sie Halt und glaubt diesen in ihrem Arbeitgeber zu finden. Doch dieser interessiert sich nur für ein schnelles Abenteuer und einige vergnügliche Stunden für sie. Dass ausgerechnet der verhasste Aaron für sie kämpft, verwirrt sie sehr und am Ende stellt man als Leser fest, dass Mary während des Buches eindeutig gereift ist.
Aber auch Cathy macht wieder eine Entwicklung durch. Nicht nur wegen ihrer neuen Mutterrolle, auch die erschwerten Lebensbedingungen zwischen sie zum kämpfen und verteidigen. Stark geworden tritt sie Isobel in einem weiteren Kampf gegenüber.

Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd, aber keineswegs seicht, sondern auf hohem Niveau. Die Kapitel sind recht kurz gehalten, was den Lesefluss noch zusätzlich steigert. Zu den Kapiteln gibt es immer eine Angabe von Ort und Zeit, die dem Leser erlaubt, sich in der Geschichte zu orientieren.

Das Buch bietet eine Besonderheit, die ich bisher nur selten bei Büchern gesehen habe. Die Autorin hat in ihren Büchern bewusst auf einen Glossar verzichtet und arbeitet ausschließlich mit Fußnoten für Erklärungen. Dies hat den Vorteil, dass man während des Lesens nicht blättern und nachschlagen muss. Der Lesefluss wird daher kaum beeinträchtigt und man kann – sofern man dies möchte – die Fußnoten auch einfach überlesen. Ein Nachteil dieses Systems ist mir allerdings doch aufgefallen. Ein einmal erklärtes Wort kann nicht noch einmal nachgeschlagen werden. Doch prinzipiell finde ich die Idee der Autorin gut, zumal ich Fußnoten liebe.

Der erotische Anteil in diesem Buch beginnt mit Mary, aber verharrt aber nicht auf ihr, sondern man lernt verschiedene Facetten der Liebe kennen. Mir hat in diesem Buch gerade diese Abwechslung sehr gut gefallen. Die knisternde Erotik ist im zweiten Band eindeutig ausgeprägter als im ersten, jedoch nicht überzogen, sondern steht eindeutig im klaren Kontrast zur düsteren Lebensweise während der industriellen Revolution Die erotischen Szenen beginnen langsam, mit Andeutungen, werden dann aber schnell genauer und die Beschreibungen und Sprache der Autorin deutlicher.

Auch diese Geschichte verfügt über ein offenes Ende, jedoch nicht ganz so offen, wie im ersten Band. Zwar sind noch nicht alle offenen Punkte geklärt, Cathy und Aaron noch nicht angekommen, doch wirkt das Ende runder als beim ersten Teil und so stellt sich eine erwartungsfrohe Freude auf den letzten Band bei mir ein. Ein ausführliches historisches Nachwort rundet den geschichtlichen Hintergrund noch zusätzlich.

Fazit:
Ein spannender erotischer Gesellschaftsroman aus dem viktorianischen England, der den Leser einfängt und abtauchen lässt in eine Zeit, in der Intrigen, geheime Pläne, Vergangenheitsbewältigung, dunkle Geheimnisse, Leidenschaft oder gar politische Machtspiele und Taktiken an der Tagesordnung waren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.