Thorn, Ines: Die Strandräuberin

Die Strandräuberin
Ines Thorn
Historisch
Aufbau Verlag
11. April 2017
Ebook/Gebunden
352

 

Sylt, 1711: Das Leben ist hart auf Sylt. Jahr für Jahr warten die Frauen, dass ihre Männer heil und lebend vom Walfang zurückkehren. Jahr für Jahr werden einige von ihnen enttäuscht und müssen fortan sehen, wie sie alleine zurechtkommen.

Auch Jördis und ihre Großmutter leben auf Sylt, der Vater blieb auf See, die Mutter konnte diesen Verlust nicht verkraften und folgte ihm nach. Seit dieser Zeit leben Jördis und ihre Großmutter alleine in einer Kate, die etwas abseits liegt und werden von den anderen Bewohnern Sylts kritisch beäugt. Immerhin stammt die Großmutter noch aus Island und man munkelt, dass sie noch dem nordischen Irrglauben anhängt und diesen sogar noch praktiziert. Damit ist sie nicht zuletzt dem Pfarrer ein Dorn im Auge.

Dieser spinnt Intrigen gegen die Familie, um die zu vernichten. Zu diesem Zweck schleust er seine eigene Tochter bei den beiden Frauen ein, lässt sie zur Freundin von Jördis werden, umso näher an die beiden Frauen herankommen zu können. Doch Inge hält zu ihrer einzigen Freundin, deckt sie, so gut es geht gegenüber ihrem Vater. Bis, ja, bis sich die beiden Mädchen unglücklicherweise in den gleichen Mann, den jungen Schmid Arjen verlieben. Doch Arjen kann nur eine der beiden Mädchen lieben und ehelichen und es wird nicht Inge sein …

Als dann auch noch ein Unglück die Kirche beschädigt und ein Sturm die Insel heimsucht, scheinen die Tage von Jördis und ihrer Großmutter gezählt zu sein …

Die Geschichte beginnt zunächst ruhig, so dass man sich erst einmal auf die Gegebenheiten einstellen kann. Man lernt, wie sich die Menschen im 18. Jahrhundert auf Sylt durchgeschlagen haben. Wal- und Fischfang standen hier deutlich im Vordergrund. Wer nicht zur See fuhr, versuchte sein Glück als Strandräuber, in dem er angespülte Dinge sammelte oder gestrandete Schiffe ausraubte und die Beute dann verkaufte. Doch diese „Arbeit“ war nicht immer ungefährlich. Natürlich gab es Leute, die versuchten, die Strandräuber zu fangen und den Raub zu verhindern.

Auch Jördis hat sich diese gefährliche Aufgabe zu eigen gemacht und kam bisher ungestraft damit durch. Schon bald merkt man als Leser, dass Jördis es nicht leicht im Leben gehabt haben muss, sie schnell erwachsen werden musste und daher nach außen recht hart wirkt, dennoch einen recht unsicheren Kern hat. Nach und nach wächst sie dem Leser ans Herz, man versucht sie zu beschützen und wünscht ihr, dass sich alles zum Besten wenden wird in ihrem Leben.

Ganz anders dazu Inge, die Tochter des Pfarrers. Unterdrückt und gedemütigt von ihrem Vater, wächst Inge zu einem regelrechten Biest heran. Mit ihrer Art und ihren Entscheidungen macht sie sich schnell nicht nur beim Leser unsympathisch.

Fazit:

Zwar ist die Atmosphäre im ganzen Buch recht düster und trist, dennoch konnte ich wieder das Salzwasser schmecken, was Ines Thorn hervorragend versteht zu beschreiben. Aber auch die Landschaft, das Dorf und die seine Bewohner tauchen schon bald vor dem inneren Kopfkino auf und man wird zu einem unsichtbaren Beobachter der Geschichte, in die man zwar eingreifen will, jedoch hilflos von außen zusehen muss.

 

 

 

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