Riebe, Brigitte: Die geheime Braut

Die geheime Braut
Brigitte Riebe
Historischer Roman
Diana Verlag
28. Oktober 2013
Gebundene Ausgabe
448

Susanna und Binea, zwei ehemalige Nonnen, verschlägt es nach Wittenberg. Nachdem ihr Kloster geschlossen wurde, versuchen die beiden ihren Lebensunterhalt so zu verdienen. Das geht eine Weile auch gut, da Susanna eine schöne Singstimme hat und die Laute schlagen kann. Doch dann kam es zu einem Unglück und Susannas Stimme bricht. Durch diesen Schicksalsschlag müssen die beiden Frauen sich aufs Stehlen verlegen. Ungeübt wie sie nun mal sind, werden sie ausgerechnet in Wittenberg erwischt. Der junge Maler Jan Seman überführt die beiden, als sie ihn erleichtern wollen. Doch statt sie an den Pranger zu bringen, bringt er die sie ins schwarze Kloster – zu Katharina von Bora, der Frau von Martin Luther.

Selbst eine ehemalige Nonne, kann Katharina den beiden ihr Leid gut nachempfinden und nimmt sie zunächst auf Probe als Mägde auf. Susanna und Binea können ihr Glück kaum fassen. Doch Susanna lässt die Vergangenheit nicht los, die zum Brechen ihrer schönen Singstimme geführt hat und auch Binea hat neuerdings ein dunkles Geheimnis. Ob die beiden bei der Lutherin bleiben dürfen?

Jan Seman hingegen plagen ganz andere Sorgen. In der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren tätig, soll er den Meister aufs Schloss begleiten. Dort wird Lucas Cranach der Auftrag erteilt, ein Bild von drei Grazien zu malen. Nackt. Und der Auftraggeber gibt vor, welche Frauen dafür Modell stehen sollen. Dabei handelt es sich um Frauen der gehobenen Gesellschaft. Lucas Cranach reicht den Auftrag an seinen Gesellen Jan weiter. Als Frauenheld verschrien, soll er die Frauen davon überzeugen, sich von ihm nackt malen zu lassen. Jan gelingt es tatsächlich, die erste Frau zu überzeugen. Wenig später jedoch, ist diese Frau tot. Ein Zufall? Doch auch das zweite Modell wird, kurz nachdem es für Jan Modell stand, tot aufgefunden. Jan gerät in den Kreis der Verdächtigen und vor allem der Verlobte der zweiten Toten hält ihn für den Täter.

Susanna spürt, dass Jan unschuldig ist, denn längst hat sie ihre Vergangenheit eingeholt und treibt nun in Wittenberg ihr Unwesen. Sie muss sich beeilen, wenn sie Jan retten und den wahren Täter überführen will…

Brigitte Riebe entführt den Leser in diesem Buch nach Wittenberg und gleich dazu in den Haushalt von Martin Luther. Der bekannte Reformator lebt bereits seit einiger Zeit in Wittenberg und wirkt dort an der Leucorea. Seine Frau Katharina von Bora kümmert sich um den Haushalt, die gemeinsamen Kinder und die Studenten, die bei ihnen Unterschlupf finden.

Susanna und Binea stoßen auf einen Haushalt, der ihre Hilfe dringend nötig hat. Neben Luther und Katharina trifft der Leser aber noch weitere bekannte Persönlichkeiten aus jener Zeit. So ist der Maler Lucas Cranach der Ältere ein guter Freund von Martin Luther und auch Philipp Melanchthon tritt immer wieder, mit einigen anderen Professoren der Leucorea, auf.

Jedoch bleiben Martin Luther und die Professoren eher im Hintergrund. Vordergründig geht es vor allem um Jan Seman, Susanna und Binea. Auch der Haushalt der Lutherin wird durch Susanna und Binea immer wieder erwähnt und man erhält als Leser einen ganz anderen Einblick in das Leben der Luther Familie wie bisher.

Die Geschichte ist dreigeteilt. Zum einen begleitet der Leser Susanna, die sich mit den Dämonen ihrer Vergangenheit herum plagt und später mutig nach ihrem Peiniger sucht. Zum anderen lernt man Binea, eine an sich ruhige Person, die sich hinter die Mauern eines Klosters zurücksehnt, aber dann eine interessante Bekanntschaft macht. Und natürlich Jan, der den Auftrag von seinem Meister weitergereicht bekommt, die drei Grazien zu malen.

Als die Morde geschehen, rücken auch Lucas Cranach und Martin Luther etwas mehr in den Vordergrund. Lucas Cranach erhält den Auftrag, den Täter zu finden und zu überführen. Martin Luther unterstützt ihn dabei, bleibt bei den eigentlichen Ermittlungen eher im Hintergrund, da er an der Leucorea zu sehr gefordert wird.

Aus einem historischen Roman wird nach dem ersten Mord ein historischer Krimi. Die Spannung steigt spürbar an und erreicht ihren Höhepunkt, als Jan Seman wegen Mordverdacht verhaftet wird. Ab hier läuft die Zeit gegen Susanna, denn für den Verlobten der zweiten Toten ist Jan der Mörder und ihn möchte er tot sehen.

Die Gefühle der einzelnen Protagonisten lassen sich gut nachvollziehen. Gerade Susannas Angst und Unsicherheit sind für den Leser spürbar. Aber auch die kecke Malein, die im Freudenhaus arbeitet und irgendwann um ihr Leben fürchten muss, ist für den Leser greifbar.
Der Leser wird durch den Schreibstil zum Nachdenken angeregt und selbst zum Ermittler. Man sammelt eine ganze Menge Verdächtiger an, bildet Verknüpfungen zu den einzelnen Personen und bemerkt so kaum, wie schnell doch die Zeit verfliegt. Schnell hat man sich fest gelesen und möchte einfach nur doch das Knäuel, das sich gebildet hat, entwirren.

Neben den Morden, den Ermittlungen und der Angst wachsen in dem Buch noch zwei zarte Liebesgeschichten heraus. Sie bilden einen willkommenen Gegensatz zu den Schrecken, die der Mörder verbreitet. Die Geschichte hat 15 Kapitel und ist in drei Abschnitte unterteilt:

1. Buch – Aglaia
2. Buch – Thalia
3. Buch – Euphrosyne

Die Abschnitte stehen für die Grazien, die Jan malen soll und in den Abschnitten geht es auch um die jeweilige Grazie. Das Deckblatt eines jeden Abschnittes wird mit der für Lucas Cranach typischen gefiederten Schlange unterzeichnet.

Der Epilog lässt die Geschichte langsam ausklingen und im Leser noch etwas nachhallen. Die Autorin hat sich intensiv mit den Recherchen zu dem Bild von Lucas Cranach beschäftigt, was man beim Lesen deutlich merkt. Auch die Vorgehensweise, wie ein solches Bild entstehen kann, wird näher beleuchtet, verständlich und nachvollziehbar vermittelt.
Das Bild, um das sich die Geschichte dreht, wurde sowohl vorne wie hinten als Vor- bzw. Nachsatzblatt abgedruckt. Dadurch kann sich der Leser das Bild genau ansehen und hat es während des Lesens immer vor Augen. Der Druck ist übrigens sehr gut gelungen, die Farben kommen gut zur Geltung und ich habe mich sehr über diesen Abdruck gefreut. Das Original kann man zur Zeit im Louvre/Paris bewundern.

Das Buch endet mit einem ausführlichen Nachwort der Autorin. In diesem Nachwort geht Brigitte Riebe kurz und prägnant auf folgende Themen im Zusammenhang mit dem Buch ein:

Zeichen und Wunder
Luther und die Wahrheit
Wittenberg als Schauplatz
Lucas Cranach der Ältere
Nackte Bilder
Die drei Grazien
Dichtung und Wahrheit

Natürlich darf eine Liste ausgewählter Literatur sowie die Danksagung nicht fehlen.

Fazit:
Spannend geschrieben, entführt Brigitte Riebe den Leser in das Haus von Martin Luther nach Wittenberg und bietet dem Leser einen ganz besonderen Blick auf dessen Leben und Wirken. Neben zarten Liebesgeschichten wird der Leser als Ermittler gefragt und so in die Geschichte regelrecht reingezogen. Meine Empfehlung für die langen dunklen Wintertage.

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