Riebe, Brigitte: Die schöne Philippine Welserin

Die schöne Philippine Welserin
Brigitte Riebe
Historischer Roman
Gmeiner Verlag
4. März 2013
Taschenbuch / ebook
337

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Augsburg, 1556. Die Bürgerstochter Philippine Welserin lebt mit ihrer Mutter, den beiden Brüdern und ihrer Schwester in dem alten Peutingerhaus in Augsburg. Für ihre Mutter sammelt sie regelmäßig am Fluss Heilkräuter. Eines Tages jedoch begegnet sie dort Caspar Reinhard.Obwohl sie immer noch für Ferdinand von Habsburg schwärmt, lässt sie sich auf eine Affäre mit Caspar ein. Als diese jedoch nicht ohne Folgen bleibt, ist sie sogar bereit Caspar zu ehelichen. Dieser jedoch macht sich mit einer anderen Jungfer aus dem Staub und lässt Philippine sitzen. Kurz darauf erkrankt Philippine schwer und verliert die Leibesfrucht.

Philippine wird zu ihrer Tante Kat nach Bresnitz zur Erholung geschickt. Dort begegnet sie auch Ferdinand wieder. Ihre alte Schwärmerei flammt wieder auf und entwickelt sich zur Liebe, die auch von Ferdinand erwidert wird. Still und heimlich heiraten die beiden. Doch vor der Welt gilt sie als Buhlin von Ferdinand und die Kinder, die sie ihm schenkt als Kegel oder Bastarde. Aber Philippine kämpft, um ihre Liebe, ihre Ehe, ihre Kinder und schließlich sogar um ihr eigenes Leben…

Brigitte Riebe schreibt seit Jahren historische Romane oder auch Krimis. Im Gmeiner-Verlag ist dies allerdings ist erstes Buch. In der Kategorie historische Kriminalromane steigt sie gleich mit einer der faszinierendsten Frauenfiguren des 16. Jahrhunderts ein. Philippine Welser, Tochter von Anna Welser, neigte – vielleicht auch durch ihre Mutter beeinflusst – dazu, sich viel mit Heilkräutern und ihrer Wirkungsweise zu befassen. Ganz in der Tradition der Hildegard von Bingen, führte ihre Mutter ein Kräuterbuch, in dem sie alles wissenswerte notierte. Die Mutter schenkte der Tochter eine Abschrift des Buches, welche Philippine bis zu ihrem Tod durch eigene Notizen ergänzte und fortführte.

Die Autorin wollte in dem Buch den Lesern die Gelegenheit geben, Philippine nahe zu kommen. Dazu wählte sie neben der auktorialen Erzählweise noch das Stilmittel eines fiktiven Tagebuchs. In diesem Tagebuch kommt Philippine selbst zu Wort und berichtet dem Leser von ihrem turbulenten Leben, ihrer Liebe, den Sorgen und Nöten bezüglich ihrer Ehe mit Ferdinand und deren Legitimierung. Aber auch Intrigen und die Macht der Heilkräuter finden darin Platz.

Das Buch umfasst 15 Kapitel, dazu ein Prolog und ein Epilog. Jedes Kapitel ist einer Pflanze gewidmet. Auf der Rückseite des Kapiteldeckblattes findet man den lateinischen Namen sowie bekannte Synonyme. Auf der nächste Seite ist eine Skizze der betreffenden Pflanze abgebildet, darunter werden die positiven und negativen Wirkungen aufgezählt.

Die Autorin hat nicht nur Ausführlichkeit zum Leben der Philippine Welser recherchiert, sondern sich auch mit Heil- und Giftkräutern befasst. Im Anhang und der Danksagung findet man eine kleine Auswahl ihrer Quellen wieder.

Der Prolog startet 1580, Philippine ist schon eine ältere Frau und es ist unklar, ob sie den Tag überleben wird. Daher lässt sie ihr Leben noch einmal für den Leser Revue passieren.

Im Epilog wird der Tag von Prolog beendet und der Kreis schließt sich. Ein historisches Nachwort, das Fakten und Daten jener Zeit, sowie einige Worte zu Dichtung und Wahrheit enthält rundet das Buch und damit auch die Geschichte um Philippine Welser ab.

Bei dem Roman handelt es sich um keine Biografie, sondern um bekannte Daten und Ereignisse, die die Autorin zu einer Geschichte gesponnen hat. Auch das Tagebuch erwuchs der Fantasie der Autorin, die damit Philippine den Lesern ein wenig näher bringen wollte. In meinen Augen ist ihr das hervorragend gelungen. Bleibt Philippine in der auktorialen Erzählweise recht blass und unscheinbar, wird sie doch durch ihr fiktives Tagebuch greifbarer, farblicher und verletzbarer. Ihre ganzen Schwangerschaften und Verluste ihrer Kinder nagen ebenso an ihr, wie die heimliche Ehe mit Ferdinand. Dies kommt aber erst wirklich in dem Tagebuch zur Geltung.

Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und umfasst einen wesentlichen Teil aus dem Leben von Philippine Welser.

Der Spannungsbogen wird mit dem Prolog erweckt. Die Überleitung zur Geschichte ist spannend und gleitend gewählt. Zunächst bleibt der Spannungsbogen etwas flacher, da der Bezug zu Ferdinand noch nicht existiert, man als Leser habe schon weiß, dass er eine tragende Rolle spielen wird. So steigt der Bogen erst wieder an, als Philippine Ferdinand im Haus ihrer Tante Kat wiedersieht. Ab da hält er sich konstant bis zum letzten Kapitel. Im Epilog sinkt der Spannungsbogen langsam ab und das Buch klingt leise, aber nachhallend aus.

Durch den Wechsel zwischen der auktorialen Erzählweise und dem fiktiven Tagebuch, wird der Lesefluss immer wieder etwas eingebremst. Der Stil verändert sich, man muss sich als Leser neu einstellen. Dafür erfährt man Hintergründe, Wissenswertes oder kommt einfach Philippine näher. Der Leser erhält dadurch die Chance, Luft zu holen und das bisher gelesene zu verarbeiten, sich seine eigenen Gedanken zu machen und zudem mit Hilfe von Philippines Tagebuch auch die Zusammenhänge und Hintergründe zu begreifen.

Wie auch das Leben von Philippine, bietet die Geschichte einige Überraschungen und unvorhergesehene Entwicklungen. Neben der eigentlichen historischen Geschichte, spinnt sich so schnell ein Kriminalroman um das Leben von Philippine zusammen.

Fazit:
Das Leben einer faszinierenden Frau aus dem 16. Jahrhundert farbenfroh, plastisch und ergreifend dargestellt. Meine Empfehlung für Leser, die gut recherchierte historische Romane lieben.

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