Im Gespräch mit Jochen Bender

 

(c) Jochen Bender
(c) Jochen Bender

Jochen Bender hat schon früh viel und gerne gelesen. Von daher war für ihn klar, dass ihn sein Weg irgendwann auch zum Schreiben führen wird. Schreiben selbst bedeutet für den studierten Psychologen eine kreative Auseinandersetzung mit dem Leben.

Seit 1993 arbeitet er als Psychologe in unterschiedlichen Kontexten, die von der Kriminologie und dem Frauenknast über die Behinderten-, Sucht- und Obdachlosenhilfe bis hin zur Arbeit mit Kinder und Jugendlichen reichen.

2011 erschien mit „Blinde & Gangsta“ sein erster Krimi, sein bislang erfolgreichstes Buch war “Die Millionen von Neresheim”.

 

 

Bibliografie:

Schwabenflucht (2017)

Anita-Schenk-Reihe:

    1. Blinde & Gangsta (2011)
    2. Dienstage & Silvester (2012)
    3. Tödlicher Handel (2013)
    4. Ein feiges Attentat (2014)
    5. Die Millionen von Neresheim (2015)
    6. An der Kante (2016)

 Jens-Hurlebaus-Reihe:

  1. Der Ginkönig muss sterben (2018)

 

Carmen Vicari:

Lieber Jochen, vielen Dank, dass Du Dich im Rahmen der Blogtour zu einem Interview bereit erklärt hast. Dein neuer Roman „Der Ginkönig muss sterben“ beruht auf einer realen Begebenheit, die seinerzeit durch die Medien ging. Was war für Dich der Anlass, den Dreifachmord für den ersten Teil Deiner neuen Krimireihe zu verwenden?

Jochen Bender:

Nach meinem letzten Krimi „An der Kante“ im Herbst 2016 brauchte ich eine Krimi-Pause. Ich schrieb erst einen anderen Roman, der recht düster und politisch geriet. Danach war mir klar, dass Krimi mein Haupt-Genre ist. Trotzdem wollte ich etwas ändern. So überlegte ich beispielsweise, einen Mallorca-Krimi zu schreiben und recherchierte nach Morden auf der Insel. Dabei stieß ich auf den Fall des Bierkönigs, bei dem sofort mein Kopf-Kino ansprang. Ich wusste, darüber kann ich schreiben.

 

Carmen Vicari:

Kannst du nicht über alles schreiben?

Jochen Bender:

Nein, mich muss ein Stoff emotional berühren und vom Kopf her ansprechen.

 

Carmen Vicari:

Ein richtiger Mallorca-Krimi ist dein GinKönig aber nicht geworden.

Jochen Bender:

Stimmt. Mir reicht es nicht, zwei Wochen dort Urlaub zu machen und im Internet zu recherchieren, um einen Mallorca-Krimi zu schreiben. Daher entschied ich mich, meinem Motto „Schwaben und die Welt“ treu zu bleiben. Die Welt ist in diesem Fall halt Malle. Dafür entschied ich mich einen Schnitt zu machen und mit neuen Ermittlern an den Start zu gehen.

 

Carmen Vicari:

Gefielen Dir die alten Ermittler nicht mehr?

Jochen Bender:

Ich glaube eine Pause tut unserer Beziehung gut.

 

Carmen Vicari:

Deine neue Hauptfigur ist Kommissar Jens Hurlebaus. Im Vergleich zu ihm ist Anita Schenk so eine Art Streberin.

Jochen Bender:

(Lacht) Das ist einer der Gründe, warum Anita Schenk und ich eine Pause brauchen. Anita war meine Reaktion auf all die kaputten Typen und schrägen Vögel, die in Krimis Karriere machen. In der realen Polizei mag es solche Typen geben, aber nicht als leitende Ermittler bei der Kriminalpolizei.

 

Carmen Vicari:

Wird es dennoch weitere Bände mit Anita Schenk geben?

Jochen Bender:

Anita war sechsmal dran und ursprünglich wollte ich nicht mehr als 6 Bände schreiben. Aber man soll nie nie sagen.

 

Carmen Vicari:

Erstellst Du von Deinen Figuren bereits im Vorfeld eine Art Biografie oder lässt Du sie sich erst im Laufe der Geschichte entwickeln?

Jochen Bender:

Ich erstelle vorab ihren Charakter, überlege mir, was sie kennzeichnen soll. Für das Ermittler-Duo legte ich zusätzlich Eckpunkte für den horizontalen Erzählstrang fest, der sich über mehrere Bücher hinweg entwickelt.

 

Carmen Vicari:

Kann es passieren, dass sich eine Figur, die Du vorher gar nicht im Blick hattest, plötzlich regelrecht in die Geschichte drängt und mitspielen will?

Jochen Bender:

Ja, klar. Ich schreibe jeweils mindestens ein Jahr an einem Krimi. Da passiert mit den Figuren viel. Beim GinKönig sollte der Baron von Helfenstein erst eine kleine Seitenrolle sein. Der Baron gab sich mit dieser jedoch nicht zufrieden und beanspruchte mehr Aufmerksamkeit.

 

Carmen Vicari:

Wieso hast Du Dich beim Schreiben für das Genre Krimi entschieden?

Jochen Bender:

Männliche Intuition. (Lacht) Meine ersten beiden Romane waren keine Krimis. Der dritte (Blinde & Gangsta) wurde eher zufällig zu einem. Ich arbeitete damals in einer Blindenanstalt und kam mit meiner Chefin nicht klar. Kurzerhand ließ ich in meinem Roman über die Blindenanstalt eine Chefin ermorden. Im Kern wollte ich über Blinde schreiben, die nicht brav und angepasst sein wollten, sondern durchaus auch böse Seiten besitzen und diese als eine Art Rebellion leben. Dies passte ebenfalls prima ins Genre Krimi. Nach wie vor gefällt mir am Krimi, dass ich mich in ihm gut mit den menschlichen Schattenseiten beschäftigen kann.

 

Carmen Vicari:

Woher nimmst Du Deine Idee für Deine Romane, was inspiriert Dich bzw. fließen auch persönliche Ereignisse/Erlebnisse mit in die Geschichten ein?

Jochen Bender:

Der GinKönig startet mit einer Szene im Dampfbad, die ich mehr oder weniger genau so erlebt habe. Ich schaue fast alles unter dem Aspekt an, ob es mich als Autor inspiriert.

 

Carmen Vicari:

Arbeitest Du eher strukturiert oder lässt Du Dich beim Schreiben treiben?

Jochen Bender:

Ich lasse mich treiben, will am Anfang einer Geschichte selbst nicht wissen, wie sie enden wird. Als Gegenpol hierzu bin ich jemand, der sich extrem fokussieren und gut Strukturen erfassen kann. Dies hilft mir, alle Erzählstränge wieder ordentlich zusammenzuführen.

 

Carmen Vicari:

Neben den Romanen hast Du auch einige Kurzkrimis geschrieben. Was begeistert Dich an der kurzen Form? Lieber Roman oder Kurzkrimi?

Jochen Bender:

Lieber Roman. Mit der Kurzform übe ich, mich auf das Essentielle zu konzentrieren.

 

Carmen Vicari:

Vom 02. Bis 06.Mai 2018 findet in Halle/Saale die CRIMINALE statt. Worauf freust du dich am meisten?

Jochen Bender:

Auf inspirierende Begegnungen.

 

Carmen Vicari:

Vervollständige bitte folgenden Satz: Ich bin im Syndikat, weil …

Jochen Bender:

…es die Interessenvertretung von uns Krimi-Autoren ist.

 

Carmen Vicari:

An was arbeitest Du gerade?

Jochen Bender:

Ich arbeite gerade am zweiten Band zu Jens Hurlebaus. Inspiriert hat mich eine Meldung aus Griechenland, wo eine britische Touristin (vermutlich) das Opfer eines Wolfsrudels geworden ist. In meinem Krimi geschieht dies mit einem Wanderer auf der schwäbischen Ostalb.

 

Carmen Vicari:

Und zum Schluss noch eine ganz andere Frage: Trinkst Du selbst auch Gin?

Jochen Bender:

Da halte ich es wie Jens Hurlebaus.

 

Carmen Vicari:

Und wer nun wissen möchte, was Jochen Bender mit seiner letzten Antwort meint, der sollte einen Blick in Der Ginkönig muss sterben werfen.

Lieber Jochen, vielen Dank für Deine Zeit meine ganzen Fragen so ausführlich zu beantworten.

 

(c) Carmen Vicari

 

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