Buchmessen aus der Autorensicht

Ein Gastbeitrag von BILD-Bestsellerautorin C. R. Scott

(c) C. R. Scott

Seien wir doch mal ehrlich: Buchmessen sind der reine Wahnsinn!
Hunderttausende von Besuchern, Tausende von Ausstellern, überfüllte und stickige Gänge, lange Warteschlangen, endloses Gedrängel, kaum Sitzplätze, unzählige Eindrücke, immenser Presserummel, überteuerte Hotelzimmer, mehr Kontaktmöglichkeiten und Termine, als man je bewältigen könnte, und nicht zuletzt tagelang vollgepacktes Programm in mehreren riesigen Hallen – und darüber hinaus.

Wer mal auf der Leipziger oder Frankfurter Buchmesse gewesen ist, kann das bestätigen. Eine Buchmesse ist körperlich anstrengend, aber gleichzeitig auch sooo inspirierend und schön! Denn es macht echt Spaß, Gleichgesinnte zu treffen, in Neuheiten zu schmökern, seine Lieblingsautoren zu treffen, Autogramme abzustauben, Verlagsmenschen kennenzulernen und sich auf so aufregende Art berieseln zu lassen. Doch was ist eigentlich anders, wenn man nicht als Leserin, sondern als Autorin auf einer Buchmesse unterwegs ist?

Ehrlich gesagt müsste die Frage aus meinem Munde genau andersherum lauten: Wie ist die Buchmesse, wenn man sie als reine Leserin besucht? Seit meiner „Messen-Entjungferung“ nämlich, auf der Leipziger Buchmesse 2007, kenne ich solche Veranstaltungen nur als Autorin. Direkt bei meinem ersten Mal stellte ich am Verlagsstand meinen Debütroman vor rund 80 Zuhörern vor, las einen Auszug daraus ins Mikrofron laut vor, beantwortete ein paar Fragen des Verlagsleiters, wurde von einer Tageszeitung zitiert, schüttelte Kollegen die Hand, betrachtete mein Werk im Regal, twitterte live an daheim gebliebene Leser, stellte mich anderen Verlagen für potenzielle Zusammenarbeiten vor, nahm ganz gerührt selbstgemachte Geschenke von eingefleischten Fans entgegen, bewunderte einige dieser Fans sogar in ihren selbstgemachten Kostümen, die Figuren aus meinem Roman darstellten, posierte für Fotos und durfte Autogramme geben. Und all solche Dinge gehen natürlich mit einer ganz besonderen Aufregung einher. Um nicht zu sagen: Nervosität! Mit vielen Eindrücken auf einmal, die man erst mal verarbeiten muss. Mit dem Gefühl, über mehrere Stunden im Rampenlicht zu stehen, umgeben von vielen, wirklich sehr vielen Menschen, auch all denen, die überhaupt nicht meinetwegen gekommen sind und gar nichts von mir wissen wollen. Ja, auch darüber macht man sich als Autorin mal Gedanken, wenn man da so am Verlagsstand steht und in Mikrofron quasselt, während die Laufkundschaft an einem vorbeischlendert, kurz aufschaut und dann unbeeindruckt weiterzieht. Auch das ist ein Eindruck, der so einen Messetag für eine Autorin prägen kann und sich zu all den anderen Eindrücken dazugesellt.

Klar, auch ich bin gleichzeitig eine Leserin. Vor allem eine Manga-Leserin. Manchmal sogar eine, die sich als ihre Lieblingsfigur verkleidet. Als beides – d.h. als Manga-Fan und auch konkret als sogenannter Cosplayer – kommt man auf den Buchmessen bekanntlich voll auf seine Kosten, da das Angebot der Manga-Verlage sowohl in Leipzig als auch in Frankfurt vielfältig ist. Aber egal, ob man nun lieber Comics, Sachbücher oder Romane verschlingt – auch als Leserin kann man auf einer Buchmesse ein volles, gar verrücktes Programm erleben. Etwa, wenn man sich vorher zwanzig Termine aufgeschrieben hat, die an einem einzigen Messewochenende stattfinden und die man am liebsten alle wahrnehmen würde: Workshops, Vorträge, Filmvorführungen, Signierstunden, Gewinnspiele, Fotoshootings und so vieles mehr. Oder wenn man sich mit fünfzig Freunden verabredet hat, die man selten zu Gesicht bekommt, weil sie sonst wo wohnen. Oder wenn man vielleicht Blogger ist und andere Blogger trifft oder eine Aktion geplant hat. Oder wenn es dreißig Verlage gibt, deren Stände man gerne besuchen möchte und die jedoch auf alle möglichen Hallen verteilt sind. Oder wenn man die Stadt erkunden will, in der die Messe stattfindet … und überhaupt erst mal die chaotische Anreise bewältigen soll. Oder vielleicht, wenn man auf so einer Buchmesse einfach mal versucht, einen Getränkestand zu finden.

Gewisse Punkte davon überschneiden sich für Leser und Autoren. Aber ich denke, als Schriftstellerin, die auf so einer Buchmesse sich selbst und ihre Werke (re-)präsentiert, kommt tatsächlich noch mal eine ganz besondere Aufregung dazu, die einen durchaus um den eigentlich dringend benötigten Schlaf bringen kann. Aber, ganz ehrlich? Kaum eine andere Erfahrung ist für mich so inspirierend für neue Geschichten wie eine Buchmesse. Vor allem heutzutage, wo ich reine Selfpublisherin bin und mir damit manchmal so exotisch wie ein Einhorn vorkomme. Da tut es verdammt gut, auf eine Buchmesse zu gehen und zu merken: Hey, mit dem, was du da machst, bist du gar nicht so allein, wie es dir manchmal in deinem stillen Kämmerlein vorkommt. Aber Lesern mag es da ganz ähnlich gehen, vor allem, wenn sie auf Nischengenres stehen. Ich weiß, wovon ich rede. In den 1990er-Jahren galt ich in meiner Schulklasse mit meiner Begeisterung für Mangas als ziemlicher Sonderling. Meine erste Buchmesse hat mich dann definitiv eines Besseren (und Schöneren!) belehrt.

Übrigens: Wer noch nie auf einer Buchmesse war und sich erst einmal an lesende Menschenmengen herantasten möchte, der könnte zunächst einmal eine Convention ansteuern. Egal, ob du Mangas, Liebesromane oder lieber Fantasy-Epen liest – für viele Genres und Medien gibt es mittlerweile Conventions. Diese bieten vielseitige Programme, sind aber bei Weitem nicht so groß wie die Leipziger oder Frankfurter Buchmesse. Nicht zuletzt allen angehenden Autoren kann ich wärmstens empfehlen, die erste Lesung auf einer Convention zu veranstalten. Das ist ein schöner Einstieg in diese verrückte Ausstellerwelt, von der ich froh bin, dass ich sie kennengelernt habe. Als Autorin und auch als Leserin. Denn natürlich habe ich im Laufe der Buchmessen auch selbst das eine oder Autogramm erhascht, das eine oder andere Buch gekauft, das eine oder andere Goodie ergattert und den einen oder anderen Lieblingsautoren mit großen Augen angesprochen.

Zur Autorin: C. R. Scott, bürgerlich Carina Regauer, schreibt prickelnde Liebesromane mit Happy End. Sie veröffentlicht ihre Werke verlagsunabhängig bei Amazon und ist regelmäßig in den Top 50 der Kindle-Charts zu finden – und manchmal sogar auf der BILD-Bestsellerliste. 2007 wurde sie gleich mit ihrem Verlagsdebüt zweifach für den Deutschen Phantastik Preis nominiert und hat u.a. für den renommierten Carlsen Verlag geschrieben, ehe sie sich 2017 ganz dem Selfpublishing und dem Genre der Romance widmete. Sie liebt das Schreiben, ihre Familie sowie den Austausch mit Lesern, Schreiberlingen, Verlagsmenschen und Bloggern. Mehr über die Schriftstellerin gibt es auf www.crscott.de!

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