Julian, Leslie: Silentium

Silentium
Leslie Julian
Krimi
Independently published
07.06.2020
Taschenbuch / ebook
515

Christoph Marx arbeitet als Immobilienmakler in Hamburg. Zusammen mit seinem schokobraunen Labrador Oskar zieht es ihn auf die Insel Fehmarn. Hier erhofft sich Chris die Ruhe, die er mit seiner Krankheit braucht. Doch immer wieder tauchen die Dämonen aus der Schattenwelt auf und quälen ihn. Irgendwie lebt der alleinstehende Chris zwei Leben, eins, in dem er der verantwortungsvolle Sohn ist, der sich um seine Mutter im Pflegeheim kümmert und einem Beruf nachkommt, und eins, das irgendwie nicht greifbar ist und fernab der Realität zu sein scheint…

Ich hatte im Vorfeld schon ein paar Mal von einer Überempfindlichkeit auf (bestimmte) Geräusche und die Reaktionen, die diese auslösen können gehört gehabt. Doch mir war nicht bewusst, dass es dafür einen wissenschaftlichen Begriff gibt. Misophonie scheint die Krankheit zu sein, unter der Chris leidet. Eine Anerkennung oder Therapie gibt es nicht wirklich, so dass er sich quasi selbst helfen muss. Die Autorin versucht, dem Leser nicht nur die Thematik zugänglich zu machen, sondern das Problem auch ein wenig mehr in den Vordergrund zu rücken.

Feinfühlig, geheimnisvoll und sehr authentisch erzählt sie die Geschichte von Christoph Marx. Emotionen, Empfindungen und Reaktionen fordern dem Leser in diesem Buch mehr ab als die eigentliche Geschichte. Doch gerade dies finde ich gut, da es aufzeigt, was in den Menschen, die unter Misophonie leiden, vorgeht. Man kann sich direkt hineinversetzen, auch wenn man auf den ersten Seiten zunächst verwirrt ist.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht. Die kurzen Kapitel heizen auf der einen Seite den Lesefluss an, auf der anderen Seite wird er aber ein wenig eingebremst, da man doch zum Denken und verdauen aufgefordert wird und so nicht ganz so schnell im Buch vorankommt.

Fazit:

Kein seichter Krimi, sondern ein vielschichtiges Buch mit einer wichtigen Thematik und der Botschaft, manchmal etwas genauer hinzuhören.

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