“Erlesen”: Wo ein preußischer Musketier mit einem französischen Oberstleutnant spazieren geht

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Saarbrücker Schloss

Szenarischer Lesungspaziergang mit Maria W. Peter alias Marie Pierre durch Saarbrücken

Lesungen sind an sich nichts Ungewöhnliches. Den Reiz macht hier manchmal wirklich die Darbietung aus. Seit einiger Zeit stoße ich vermehrt auf hybride Lesungen. So wird zu einer Lesung mal eben ein Dinner serviert oder man kleidet die Lesung in ein Whisky-Tasting.

Saarbrücker Schloss

Diese Lesung jedoch führte mich nicht nur in meine alte Heimat, die versprach auch noch am 14.04.2024 einen Szenarischen Lesungsspaziergang durch Saarbrücken. Doch was genau erwartete mich da?

Zunächst einmal der Saarbrücker Schlosshof mit etwas Schatten und einer stetig wachsenden Anzahl an Teilnehmern. Aber auch gewandete Personen trafen schließlich ein und die Autorin Maria W. Peter, die unter dem Pseudonym Marie Pierre das Buch Töchter des Aufbruchs geschrieben hat, stellte sie uns nach und nach vor. So wurden wir bei unserem Spaziergang begleitet von

• Oberstleutnant der 67. Infanterie Regiment kaiserliche von Napoléon 3 Thomas Kirsch mit seiner Frau Dorothee Kirsch und dem

• preußischen Musketier Woll, der in der Gegenwart auf den Namen Marco Hillinger hört.

von links:
preußischer Musketier Woll alias Marco Hillinger, Maria W. Peter, Dorothee KIrsch, Oberstleutnant Thomas Kirsch, Carmen Vicari

Es geht los

Rathhaus

Maria W. Peter eröffnete den Lesungsspaziergang mit einigen Informationen, Anschauungsmaterial und einer ersten kurzen Lesung aus dem Buch, ehe es ins Historisches Museum Saar ging. Dort trat der preußische Musketier zum ersten Mal in Aktion und gab einige Einblicke in die historischen Hintergründe des Buches, untermalt durch Artefakte des Museums.

Weiter ging es zum Rathhaus, welches wirklich so betitelt ist und man sich nicht nur als Tourist darüber wundert. Der folgende Stopp auf unserem Weg durch Saarbrücken war ein recht idyllischer, wenn leider auch etwas vernachlässigter Ort, der Luisenbrunnen. Hier gab es wieder eine kurze Lesung, aber auch einige historische Fakten vom preußischen Musketier.

Unsere nächste Station war die Alte Brücke über die Saar. Dort entdeckten wir nicht nur weitere historische Informationen, dieses Mal auch von Oberstleutnant Kirsch, sondern auch eine Pilgermuschel auf dem Boden.

Über die Saar am Staatstheater vorbei

Saarbrücker Staatstheater
Wacht am Rhein

Vorbei am Saarländischen Staatstheater ging es zum St. Johanner Markt. Hier wurde nicht nur gelesen, sondern auch gesungen. Dorothee Kirsch sang „En passant par la Lorraine, avex mes sabots“ ein französisches Kinderlied aus dem 16. Jahrhundert, während Oberstleutnant Kirsch zusammen mit dem preußischen Musketier Woll „Die Wacht am Rhein“ zum Besten gab.

Danach ging es mit einem kurzen historischen Zwischenstopp am Rathaus St. Johann zur Buchhandlung Bock&Seip, wo nicht nur Erfrischungen auf uns warteten, sondern die Autorin noch eine letzte Lesung aus ihrem Buch gab. Im Anschluss konnte man Fragen stellen, Bücher signieren lassen oder sich einfach unterhalten.

Fazit

Marie Pierre mit Carmen Vicari

Für mich war dies eine Lesung der ganz besonderen Art. Ich habe schon viele Lesungen erlebt und ich freue mich immer, wenn es keine reine Frontallesung ist, sondern es noch in kleines Rahmenprogramm drumherum gibt. Diese Mischung war für das Buch von Marie W. Peter ideal. Die drei historisch gewandeten Personen entsprangen dabei allerdings nicht dem Roman, sondern lebten nur in der gleichen Zeit, in der der Roman spielt. Die beiden Herren gaben viele Anekdoten und Einblicke in das Leben zu jener Zeit preis, vor allem die militärische Seite, die im Buch auch eine Rolle spielt, wurde dabei näher beleuchtet und machte die Geschichte im Buch greifbarer.

Mir hat der Nachmittag sehr gut gefallen, es war spannend, informativ und zeigte mit Saarbrücken mit anderen Augen. Von daher kann ich nur meine Empfehlung aussprechen. Sollte wieder eine Szenarische Lesung mit Marie W. Peter bzw. Marie Pierre angeboten werden, nutzt die Gelegenheit, es lohnt sich.

Zur Autorin

Maria W. Peter entdeckte während ihrer Schulzeit ihr Interesse an Literatur und Geschichte, Zunächst war sie vom Römischen Reich und der Antike fasziniert, später besonders von Amerika und seiner kulturellen Vielfalt.

Ihr Interesse für die versunkene Welt des alten Roms wurde mit dem Bundespreis in Latein belohnt. Mehrere Jahre war sie in der Bewegung des gesprochenen Neulateins aktiv.

Nach Beendigung der Schulzeit studierte Maria W. Peter an der deutsch-französichen Universität in Saarbrücken und wechselte dazu zeitweise an die Université de Metz, in Frankreich. Studienschwerpunkte waren zunächst Literatur und Sprachen, dabei besonders Amerikanistik und Anglistik.

Neben dem 1997 parallel begonnenen Studium der Klassischen Archäologie und Alten Geschichte an der Universität des Saarlandes, arbeitete sie als freie Journalistin für verschiedene regionale Zeitungen und Zeitschriften.
Aufgrund ihrer Leidenschaft für amerikanische Kultur und Geschichte wurde Maria W. Peter nicht nur Mitglied des Deutsch-Amerikanischen Instituts Saarbrücken, sondern auch eines amerikanischen Chores der U.S. Gemeinde in Kaiserslautern. Dort pflegte sie intensive Kontakte zu amerikanischen Familien.

In dieser Zeit erhielt sie für ihre Studienergebnisse ein Fulbright-Stipendium und übersiedelte in die Staaten, wo sie an der renommierten “School of Journalism” in Columbia/Missouri studierte, die schon Brad Pitt und der amerikanische Dramatiker Tennessee Williams besucht hatten.

Kurze Zeit nach ihrer Rückkehr ins Saarland begann Maria W. Peter mit der Arbeit an ihrem ersten Römer-Krimi. Noch während des Studiums verfasste sie so zwei Romane und zwei Theaterstücke mit historischer Thematik. Nach Abschluss des Examens trug das literarische Schaffen erste Früchte, als sich gleich mehrere Verlage für die Manuskripte interessierten. Sie entschied sich für eine Zusammenarbeit mit der Verlagsgruppe Lübbe.

Als Autorin und Wissenschaftlerin legt sie besonderen Wert auf historisch korrekte Details und so bilden Recherche und der intensive Austausch mit einer Vielzahl von Fachleuten, Archäologen und Historikern, einen wichtigen Teil ihrer Arbeit.

Neben der klassischen Umgebung wie Buchhandlungen und Bibliotheken, finden ihre Lesungen auch häufig an Originalschauplätzen und historischen Stätten statt, was dem Erlebnis einen besonders authentischen Reiz verleiht, häufig unterstrichen durch Büffets mit Speisen und Getränken nach historischer Rezeptur.

Zwischenzeitlich hat Maria W. Peter acht Romane sowie drei Theaterstücke verfasst. 2011 folgten SR-und SWR-Fernsehen in einem Film der Sendereihe „Fahr mal hin!“ den Spuren ihrer römischen Detektivin Invita durch die lothringische Stadt Metz. (Filmausschnitt siehe Link auf dieser Seite.)

Heute pendelt Maria W. Peter zwischen dem Rheinland und dem Saarland.

(Quelle: Website der Autorin)

Das Buch

Töchter des Aufbruchs – Marie Pierre
ASIN ‏ : ‎ B0C173WCN8
Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag (24. Dezember 2023)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Dateigröße ‏ : ‎ 2893 KB

Reichsland Elsaß-Lothringen 1910: Im mittelalterlichen Moselstädtchen Diedenhofen führt die junge Lehrerin Pauline Martin inmitten einer bunt gemischten Bevölkerung aus Deutschen und Franzosen ein Pensionat für höhere Töchter, die sie zu eigenständigen und selbstbewussten Frauen erziehen will. Als ihr neuester Schützling Suzette sich heimlich mit einem Soldaten trifft und kurz darauf spurlos verschwindet, bittet Pauline den preußischen Hauptmann Erich von Pliesnitz um Hilfe. Ihre enge Zusammenarbeit droht, die strengen Konventionen der Kaiserzeit zu sprengen. Und dann ist da noch Paulines neuer Gärtner Vincent, der ein dunkles Geheimnis hütet. Kann Pauline Suzette finden und den guten Ruf ihres Pensionats bewahren?

(Quelle: Heyne Verlag)

Rezension zu Töchter des Aufbruchs

Weitere Eindrücke

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