Interview mit Nicola Berger

 

 

Nicola Berger
Nicola Berger
(c) Ruth Klapproth

Liebe Nicola,

zunächst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst und mir zu einem Interview bereitstehst. Am 15. Januar 2026 ist das Buch zur Serie auf Kika „Dino Mates – Saurierstarke Ferien bei Oma Clara“ erschienen. Magst Du kurz erzählen, um was es geht?

Bei „Dino Mates – Saurierstarke Ferien bei Oma Clara“ verbringen Sophie und Leo ihre Ferien bei ihrer Oma Clara. Oma Clara ist eine ziemlich coole und abenteuerlustige Oma, die einen Antiquitätenladen hat. Und dann geschieht Unglaubliches, denn die

Dino Mates: Saurierstarke Ferien bei Oma Clara - Nicola Berger
Dino Mates: Saurierstarke Ferien bei Oma Clara – Nicola Berger
Herausgeber ‏ : ‎ Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG

drei finden in einer Höhle Dino-Eier. Echte Dino-Eier. Und die schlüpfen. So nimmt das Abenteuer seinen Lauf.

 

Wie muss man sich das Schreiben eines Buches zu einer Serie vorstellen? Schaust Du Dir die Serie im Vorfeld an? Liest Du das Manuskript?

Ja genau, ich kann die Skripte vorab lesen und mir auch die Serie ansehen. So bekomme ich ein Gefühl für die Charaktere, wie sie handeln und sprechen. Ich kann sehen und dadurch auch viel besser beschreiben, wie die Umgebung aussieht, wie die Atmosphäre ist und bekomme nicht zuletzt auch ein Gefühl für den speziellen Witz der Serie.

 

Du arbeitest auch aktiv mit dem moses Verlag zusammen und veröffentlichst dort Spiele, black stories oder PhänoMINT-Rätsel- und Experimentier-Bücher. Wie unterscheidet sich da die Arbeit zum Schreiben des Buches zur Serie?

moses. PhänoMINT Künstliche Intelligenz – Nicola Berger

Bei der Arbeit an einem Buch zu einer Serie bewegt man sich möglichst nah an der Handlung, und die Herausforderung ist, aus der Serienhandlung eine Vorlesegeschichte zu machen.
Die Arbeit an den Sachbüchern zur Reihe PhänoMINT ist natürlich völlig anders. Für unser Buch Geniale Roboter haben Marc Schumann und ich zum Beispiel zunächst einmal wochen- und monatelang gebastelt, getestet und ausprobiert. Dann schreiben wir die Anleitungen und die Wissenstexte zu den Projekten. Die Herausforderung ist dabei, das Wissen so zu vermitteln, dass es für Kinder spannend, verständlich, aber inhaltlich immer noch richtig, also nicht zu stark vereinfacht ist. Wir wollen, dass die Kinder Lust haben, die Projekte, die wir in den Büchern anbieten, auszuprobieren, dabei möglichst viel Spaß haben und auch noch das eine oder andere lernen.
Meine black stories hingegen richten sich ja an erwachsene Personen. Und die Arbeit dazu ist wieder ganz anders. Hier darf der Text nur sehr kurz sein. Man muss also einen ganzen Plot auf eine Kartenseite bringen. Und dann braucht man noch einen zündenden Aufhänger, der animiert, das Rätsel zu lösen.

 

Moses. Black Stories Holy Shit! – Nicola Berger

Woher nimmst Du Deine Ideen für die black stories-Reihe?

Es gibt stories, die 100 % wahr sind. Hier entstehen die Ideen durch Recherche. Wir suchen einfach so lange nach passenden Geschichten und Fakten, bis wir 50 Ideen haben, die uns gefallen. Und aus diesen zaubern wir dann die Rätselgeschichten. Es gibt auch black stories, die frei erfunden sind. Zum Beispiel unsere gerade erschienenen „Burning Hearts“. Die Plots entstehen immer und überall. Beim Spazierengehen, Kochen, plötzlich im Supermarkt. Meine Co-Autorin Kaddy Arendt und ich tauschen uns viel über unsere Ideen aus. Im Gespräch entwickeln sich die Plots und werden immer besser und griffiger. Über Monate feilen und schleifen wir dann an den Geschichten, bis sie uns gefallen. Dabei werden sie auch immer wieder mit verschiedenen Tester*innen ausprobiert. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt im Schreibprozess der black stories.

 

Was fällt Dir leichter? Spiele für Erwachsene oder für Kinder zu entwickeln?

Moses. Black Stories Burning Hearts – Nicola Berger

Das kann ich gar nicht sagen. Beides hat ganz eigene Besonderheiten. Ich merke gerade in den letzten Wochen allerdings wieder besonders, dass ich die Abwechslung dabei sehr mag. Meist arbeite ich parallel an einem Kinder- und einem Erwachsenentitel. Und das finde ich klasse.

 

Welche Zielgruppe ist schwieriger? Sind Kinder kritischer, weil sie Sachen anders betrachten?

Ich stelle immer wieder fest, dass Kinder besonders offen für kreative und verrückte Ideen sind. Das liebe ich an dieser Zielgruppe so. Bei Geschichten für Kinder sind der Fantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt. Das ist wundervoll. Manchmal machen wir zu PhänoMINT Veranstaltungen in Bibliotheken. Es ist so schön, zu sehen, wie wissbegierig und interessiert die Kinder dabei sind. Die Welt aus Kinderaugen zu betrachten, erweitert auf jeden Fall meinen Horizont. Das merke ich ganz oft.

 

Wie sieht Dein Schreiballtag aus? Hast Du bestimmte Rituale?

Ich starte früh um 7, beantworte meine Mails und erledige, was zu erledigen ist. Dann geht es an meine aktuellen Projekte. Am liebsten arbeite ich parallel an zwei Titeln. Vormittags an einem und nachmittags an einem anderen Projekt. Denn ich brauche immer mal wieder auch ein bisschen Abstand zu meinen Texten. Oft schreibe ich Passagen vom Vortag komplett um oder sogar neu, weil sie mir mit ein bisschen Distanz dann doch nicht mehr so gefallen oder ich während meiner Arbeit an einem anderen Projekt plötzlich noch einen Geistesblitz hatte. Ich brauche immer Ordnung auf meinem Schreibtisch. Das ist auf jeden Fall ein Ritual, das mir wichtig ist. Am Ende des Tages einmal aufräumen. Und gemütlich muss es im Büro sein, damit ich mich dort wohlfühle. Wenn ich so darüber nachdenke, freue ich mich eigentlich jeden Morgen auf meinen Arbeitsplatz 😊.

moses. Das große Quiz der Synonyme, Finde Sinn- und Sachverwandte Wörter! – Nicola Berger

Was ist schwieriger zu schreiben? Der erste oder der letzte Satz?

Für mich immer der erste. Ich neige zum Glück wirklich nicht zum Prokrastinieren und kann mich eigentlich gut disziplinieren, aber der Beginn eines neuen Manuskriptes ist für mich immer wieder ein Angang. Warum auch immer. Allerdings weiß ich nach all den Jahren mittlerweile auch, dass es tatsächlich nur die ersten paar Sätze sind, danach läuft es meist. Und das zu wissen, das hilft. Bei den letzten Sätzen mag ich es, wenn sie es schaffen, ein Lächeln auf die Gesichter der Leser*innen zu zaubern. Aber dann hab ich ja meist auch schon ein gutes Gefühl für die Geschichte und das fällt mir dann häufig gar nicht so schwer.

 

Wie kamst Du zum Schreiben? Was inspiriert Dich?

Eigentlich wollte ich immer schon schreiben. Und hab das auch immer schon gern gemacht. Ich habe während meines Germanistikstudiums vor mehr als 20 Jahren ein Praktikum beim moses. Verlag gemacht. Anschließend hab ich als freie Lektorin, Übersetzerin und Autorin immer weiter für moses. gearbeitet. Bis heute. Das war alles ein großes Glück und ich bin sehr dankbar dafür. Nach und nach kamen weitere Verlage hinzu und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Mich inspiriert so ziemlich alles. Vor allem Begegnungen, Gespräche und Unternehmungen mit Menschen. Aber auch Dinge, die ich sehe oder lese, Dinge, die Emotionen in mir auslösen, mich bewegen. Ich geh eigentlich immer mit einem Notizbuch durch den Tag.

 

Was ist bis jetzt der schönste Moment in Deiner bisherigen Zeit als Autorin gewesen?

Mein Co-Autor Marc Schumann und ich haben für „Das Physik-Bastelbuch“ den Jugendsachbuchpreis gewonnen. Das war definitiv ein Highlight.

 

Und zu guter Letzt: An was arbeitest Du gerade?
Ich arbeite gerade an einem Quiz für Erwachsene, das mir viel Freude bereitet, und parallel auch an einem neuen Kinderbuch. Es ist also wieder sehr abwechslungsreich.

 

Liebe Nicola, vielen Dank für das interessante Interview.

 

 

Nicola Berger

Nicola Berger wurde 1981 in einer Stadt am Niederrhein geboren. Nichts macht sie lieber, als Geschichten zu erzählen. Weil das schon immer so war, stand sehr schnell fest, dass sie Autorin werden wollte. Sie beschloss, Germanistik zu studieren und zog dazu für ein paar Jahre ins nahe gelegene Ruhrgebiet. Schon während des Studiums arbeitete sie für den moses. Verlag, für den sie Texte lektorierte, übersetzte und bei dem schließlich ihre ersten eigenen Bücher und Spiele veröffentlicht wurden. Besondere Freude bereitet ihr die Mitarbeit an der Reihe „black stories“, aber auch die jüngere Zielgruppe hat es ihr angetan. So betreut sie für den Panini Verlag redaktionell zahlreiche Kindermagazine, beispielsweise zu den beliebten Themen „Bob der Baumeister“, Peppa Wutz“ und „Feuerwehrmann Sam“.

(Quelle: Nicola Berger)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert