
Foto: © Christine Zach
Lieber Bastian,
zunächst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst und mir zu einem Interview bereitstehst. Am 11. März 2026 erscheint dein neuer historischer Krimi „Donaumelodien – Wiener Verschwörung“. Magst Du kurz erzählen, um was es gehen wird?
Die Handlung spielt im Jahre 1879. Der pompöse Festzug anlässlich des Jubiläums zur Silberhochzeit des Kaiserpaares steht vor der Tür, ganz Wien bereitet sich auf hunderttausende Schaulustige vor. Doch eine Mordserie trübt nicht nur die Freude auf den Festtag, sie scheint auch in direktem Zusammenhang damit zu stehen und gar auf das Revolutionsjahr 1848 zurückzugehen. Geisterfotograf Hieronymus Holstein und sein Freund, der bucklige Franz, ermitteln unter Hochdruck, währen die Zeit knapp wird und eine Katastrophe historischen Ausmaßes für die Monarchie droht.

Herausgeber : Gmeiner-Verlag
Erscheinungstermin : 11. März 2026
Auflage : 1. Auflage 2026
Sprache : Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 384 Seiten
ISBN-10 : 3839280605
ISBN-13 : 978-3839280607
Das ist der fünfte Teil mit Geisterfotograf Hieronymus Holstein. Was genau verstehst Du unter einem Geisterfotografen?
Geisterfotografie war gegen Ende des 19. Jahrhunderts äußerst beliebt. Mittels Doppelbelichtung konnte ein Fotograf die Illusion erzeugen, es befänden sich neben den lebenden Abgelichteten auch noch Geister von Verstorbenen auf dem Foto. Zur damaligen Zeit glaubte man schlicht, dass das, was eine Kamera auf eine Gelatine-Trockenplatte bannte, der Wahrheit entsprechen musste. Erst nach und nach setzte die Gewissheit ein, dass dem nicht so war – ähnlich, wie wir heutzutage die Echtheit von Videoaufnahmen immer mehr in Frage stellen.
Sollte man die Vorgängerbände kennen oder lässt sich das Buch unabhängig davon lesen?
Jedes Buch der Reihe ist in sich abgeschlossen, man kann also problemlos auch mit Band 5 einsteigen. Wer allerdings den Werdegang der Figuren miterleben möchte, beginnt am besten mit „Donaumelodien – Praterblut“, das im Jahr 1876 startet.
Wie kam es zum Schauplatz Wien und welche Bedeutung hat Wien für Dich?
Wien ist meine Wahlheimat. Ich bin in der Steiermark geboren, in Salzburg aufgewachsen und mit 19 in die Hauptstadt gezogen, um Grafik Design zu studieren. Und wer Wien ein bisschen kennt, weiß, dass es einen so schnell nicht wieder loslässt. So wurden aus drei Jahren über dreißig. Ein Wahnsinn. Was mich so fasziniert ist, dass Wien, im Gegensatz zu vielen deutschen Städten, nach dem 2. Weltkrieg nicht komplett von Grund auf wieder aufgebaut werden musste, und so ist unglaublich viel historische Substanz vorhanden, die teilweise bis ins Mittelalter zurückgeht. Der heutige Ring war die ehemalige Befestigungsanlage der Stadt, an dessen Stelle im 19. Jahrhundert Prachtbauten wie die Oper, Museen oder Rathaus errichtet wurden. Oder der Gürtel, der den ehemalige Linienwall bildete. Schönbrunn. Alles historisch gewachsene Strukturen. Nicht umsonst gehört die Wiener Innenstadt zum UNESCO Weltkulturerbe. Und ich liebe es, mich in die U-Bahn zu setzen und das alles zu genießen.
Du bist gelernter Grafik Designer. Was brachte Dich dazu, zu schreiben?
Die Liebe zum Film. Eigentlich wollte ich dereinst gemeinsam mit Matthias Bauer das Drehbuch zu einem historischen Mystery-Film schreiben („Morbus Dei“), doch daraus wurde nichts. Wir befanden die Geschichte aber für so gut, dass wir uns dachten, warum nicht einen Roman daraus machen? Der Haymon-Verlag verwirklichte 2010 die Idee mit uns, und nicht nur das: es wurde sogar eine Trilogie daraus. Und wenn man als Autor erst einmal Blut geleckt hat, dann war’s das – man muss einfach weiterschreiben. So entstanden zwei Bände unserer Pikten-Saga, zwei Bände einer Familiensaga im Dreißigjährigen Krieg (alle bei Heyne). Als Soloautor konnte ich seit 2020 bei Gmeiner mittlerweile fünf „Donaumelodien“-Bände, drei Kurzgeschichten-Anthologien und den Metal-Krimi „Death over Wacken“ veröffentlichen. Langweilig wird mir also nicht 😉.
Könntest Du Dir vorstellen, noch ein anderes Genre auszuprobieren?
Ich habe tatsächlich einen ganz klassischen Roman in der Schublade, den ich forcieren will (wenn ich Zeit dazu habe). Außerdem schrieb und illustrierte ich das Kinderbuch „Die Schmatzekatze“, ein Herzensprojekt von mir. Das einzige Genre, in dem ich mich nicht sehe, wäre ein reiner Liebesroman … aber sag niemals nie!
Wie sieht Dein Schreiballtag aus? Hast Du bestimmte Rituale?
Berufliche Selbständigkeit geht ohne Disziplin natürlich gar nicht. Aber ich gönne mir jeden Morgen die erste Tasse Kaffee im Bett zu trinken und dabei auf dem iPad zu surfen. Der Weg in mein Arbeitszimmer ist nicht weit, so beginne ich zwischen 7 und 8 meine Mails zu beantworten. Danach beginne ich dann zu recherchieren und zu schreiben, in der Regel bis 17 oder 18 Uhr. Außer ich werde von unserer Katze Paula angeschnauzt, dann muss ich sie natürlich mit Leckerlies verwöhnen.
Was ist schwieriger zu schreiben? Der erste oder der letzte Satz?
Für mich ganz klar der erste Satz. Den letzten Satz kenne ich oftmals bereits, bevor ich zu schreiben beginne.
Was ist bis jetzt der schönste Moment in Deiner bisherigen Zeit als Autor gewesen?
Das ist schwierig, zumal nur ein Moment viele andere ausschließen würde. Aber es gibt sie natürlich, die Highlights: das erste Mal, als ich ein von mir geschriebenes Buch druckfrisch vom Verlag in Händen hielt. Als ich im letzten Jahr vor hunderten Metalheads auf dem Wacken Open Air aus meinem Metal-Krimi lesen durfte. Und wirklich jedes Mal nach einer Lesung das Plaudern mit den Leserinnen und Lesern, die sich die Zeit genommen haben, zu kommen.
Und zu guter Letzt: An was arbeitest Du gerade?
Im Augenblick bin ich mir der PR für „Donaumelodien“ beschäftigt. Dann kommt die PR-Arbeit für Wacken 2 „Hell over Wacken“, der Im Juni erscheint. Parallel dazu feile ich aber natürlich bereits an neuen Projekten … mehr kann ich im Augenblick nicht verraten 😇.
Lieber Bastian, vielen Dank für das interessante Interview.
Ich danke für die Anfrage und hoffe, dass euch „Donaumelodien – Wiener Verschwörung“ so viel Freude beim Lesen bereitet wie mir beim Schreiben!
Bastian Zach
Bastian Zach wurde 1973 in Leoben geboren und verbrachte seine Jugend in Salzburg. Das Studium an der Graphischen zog ihn nach Wien, als selbstständiger Schriftsteller und Drehbuchautor lebt und arbeitet er seither in der Hauptstadt. 2020 wurde sein Krimi-Debüt „Donaumelodien – Praterblut“ für den Leo-Perutz-Preis nominiert. Wiens morbider Flair ist es auch, der ihn zu seinen Kriminalromanen inspiriert, und seine Liebe, Historie mit Fiktion zu verweben, lässt das Wien um die Jahrhundertwende wieder lebendig werden.




