
Wie ist es für Euch, nach rund 150 Jahren noch einmal mit der Geschichte von damals konfrontiert zu werden?

Mir läuft es noch heute eisig kalt den Rücken hinunter, wenn ich daran denke.

Ich werde nie meine Angst um Sie, verehrte Mathilde, vergessen, als Sie plötzlich verschwunden waren…

Ich han jetz noch d’r Aasch op Grundies, wann ich dodraan denke. Wor dat spack!

Baudewin bringt es auf den Punkt!

In wie weit haben die beiden Autorinnen Eure Erlebnisse korrekt wiedergegeben?

Leider zu gut. Mir wäre es lieber gewesen, sie hätten mich in der kritischen Situation, in die ich mich selbst hineinmanövriert hatte, etwas weniger dumm aussehen lassen.
Aber das war doch sehr mutig von Ihnen! Ich wünschte, ich hätte so viel Mut und Draufgängertum wie Sie.
Unsinn, Sie sind über sich selbst hinausgewachsen bei meiner Rettung, aber auch für unsere Magd Ida, der man den Neunfachmord anlasten wollte. Wenn ich nur daran denke, wie Sie ihre Enthauptung im allerletzten Moment verzögert haben…
Ich wollt dat emmer ens jelese han. Ben ich noch nit zo jekumme.

schüttelt den Kopf, schweigt

Wie habt Ihr die Autorinnen kennengelernt?
Eva-Maria Silber hatte von mir gelesen und sprach mich an, ob ich sie in dem geplanten Buch mit Zeitungsberichten zu den Morden unterstützen würde. Ich fühlte mich sehr geehrt und sagte natürlich sofort zu.
Ich wurde aufgrund meines Buches „Die Irrtümer der Strafjustiz und ihre Ursachen“ von der werten Autorin Frau Silber angesprochen, ob ich ihr dabei helfen würde, ein drohendes Fehlurteil zu verhindern. Als ich erfuhr, dass eine einfache junge Magd neun Menschen erschlagen und verbrannt haben sollte, konnte ich mich nicht verweigern.
(bemüht sich Hochdeutsch zu sprechen): Diese Rechtsanwältin Wilczek stand plötzlich vor meiner Tür. In einem Köln-Krimi müsse auch ein echter Kölner mitspielen, meinte sie. Obwohl die nur halb so groß ist wie ich, traute die sich was. Die sagte: „Keine Widerrede. Für die Ehre und für Köln. Mitkommen!“ Da war ich ausgesprochen.
Tja, diese Kollegin stand auch vor meiner Tür. Die erlesene Flasche Cognac und die Bonboniere von Manhardt überzeugten mich vollends von der Treffsicherheit ihrer Wahl.
Fertig lesen: Protagonisteninterview zu Der Blutmensch zu Köln – Eva-Maria Silber & Kirsten Wilczek





