Benedict, Sarah: Das Haus der blauen Schmetterlinge

Das Haus der blauen Schmetterlinge
Sarah Benedict
Love & Landscape
blanvalet
20. Januar 2014
Taschenbuch
544

 

Für Prinzessin Elsa geht ein Traum in Erfüllung. Als Tochter einer samoanischen Mutter und eines deutschen Vaters hat sie nie wirklich zu einer der beiden Seiten gehört. Auch als Prinzessin war ihr Stand eher schwierig. Doch durch die Hochzeit mit einem angesehenen deutschen Handelsmann soll sich dies ändern. Elsa freut sich schon auf ihre neue Heimat, die zugleich die Heimat ihres Vaters gewesen ist.

Doch dann kommt alles anders als gedacht. Ihr Mann Henning zeigt schon in der Hochzeitsnacht sein wahres Gesicht und seine Spielsucht. Mit dieser treibt er seine kleine Familie in den Ruin und verschwindet über Nacht von der Insel.
Alleine auf sich gestellt, sucht Elsa Schutz und Hilfe in der Villa eines reichen mysteriösen Engländers. Zwar findet sie dort Unterschlupf, doch der Preis, den sie dafür zahlen muss, ist hoch.

In ihrem/seinem neusten Roman entführt die/der Autor/in den Leser in die Südsee. Man lernt zunächst Elsa und ihre familiären Hintergründe kennen und feiert auch sogleich ihre erträumte Hochzeit mit ihr.

Schnell aber wird klar, dass Elsa immer unglücklicher wird und sie um ein wenig Glück durch ihre Entscheidungen kämpft. Dabei ist Elsas Weg immer sehr steinig.

Die Geschichte ist spannend und flüssig geschrieben. Schnell taucht man in die Südsee ein, wobei ich im Vergleich zum ersten Buch sagen muss, dass das Flair der Südsee etwas schwächer vermittelt wird. Trotzdem kann man sich gut in die historische Südsee weg träumen.

In dem Buch werden jede Menge Figuren eingeführt, die alle ihre eigenen Geschichten haben. Diese Geschichten und Ereignisse laufen alle parallel zur Geschichte von Elsa und ergänzen diese.

Elsa wird von allerlei Schicksalsschlägen gebeutelt, schafft es aber immer wieder alleine oder mit Hilfe von Freunden, sich aufzuraffen und weiterzumachen. Zwar kommen sehr viele Rückschläge zusammen, jedoch werden diese glaubhaft aneinander gereiht und logisch beschrieben. Elsa hat von Anfang an kein einfaches und leichtes Leben. Die ganzen Rückschläge verdeutlichen dies noch einmal zusätzlich.

Das Tempo der Geschichte wechselt immer wieder, aber sie wird nie langweilig. Der rote Faden zieht sich durch das Buch und regt den Leser an, weiterzulesen. Elsa wird dem Leser schnell vertraut und nimmt immer mehr Gestalt an. Man kann sogar nachvollziehen, wieso Elsa sich wie entscheidet, auch wenn man selbst einen anderen Weg gegangen wäre.

Fazit:
Ein prall gefüllter historischer Roman, der den Leser in die Südsee entführt und Teil der Geschichte um Elsa Fa’alua werden lässt.

Benedict, Sarah: Der Duft der grünen Papaya

Der Duft der grünen Papaya
Sarah Benedict
Love & Landscape
blanvalet
17. Dezember 2012
Taschenbuch
576

 

Hierbei handelt es sich um ein sehr schönes Buch. Beschrieben wird eine Familiengeschichte, die tragisch, schlüssig und am Ende rund ist.

Der Leser begleitet in der Gegenwart Tuilas Tochter Ili und Ivanas Tocher Moana, die einen alten Familienzwist nie lösen konnten. Evelyn Braams, auf der Flucht vor ihrer eigenen Vergangenheit, stößt auf diese beiden und wird immer mehr in die ganzen Vorkommnisse hineingezogen und vergisst dabei zunächst ihre eigenen Probleme.

Die Beschreibungen der Insel sind farbig und man wird als Leser regelrecht auf die Insel versetzt.

Die Geschichte hat zwei Handlungsstränge: einer in der Vergangenheit, bei dem der Leser die Geschichte des Familienzwists erfährt und einer in der Gegenwart mit den Auswirkungen des Twists. Die Übergänge zwischen den beiden Strängen sind wunderbar gleitend und man rutscht von einer in die nächste Szene rein, ohne es recht zu merken.

Fazit: Ein traumhaftes Buch, das Lust macht, auf der Insel Urlaub zu machen.

Achtung: Das Buch ist 2006 schon mal unter dem Titel: Der Papaya-Palast. erschienen.

Riley, Lucinda: Die Mitternachtsrose

Die Mitternachtsrose
Lucinda Riley
Love & Landscape
Goldmann
27. Januar 2014
Gebundene Ausgabe
576

 

Indien, im Jahr 2000. Anahita feiert ihren 100. Geburtstag im Kreise ihrer Familie. Innerlich beschließt sie, dass es Zeit wird, ihre aufgeschriebene Lebensgeschichte weiter zu geben. Doch an wen? Sie entscheidet sich für ihren Urenkel Ari und trägt ihm auf, ihren Sohn Moh, ihr erstes Kind zu finden. Obwohl man ihr damals gesagt hat, dass Moh im Alter von drei Jahren ums Leben kam, war Anahita zeit ihres Lebens davon überzeugt, dass Moh lebt. Allerdings war es ihr nicht geglückt, ihn zu finden. Ari soll nun ihre Aufzeichnungen von damals lesen und Moh finden bzw. rekonstruieren, was mit ihm geschehen ist.

Aber Ari hat zunächst nur seine Karriere im Sinn und so wandern Anahitas Aufzeichnungen in eine Schublade und gehen vergessen. Als Ari rund 11 Jahre später vor den Trümmern seiner Beziehung steht, fallen ihm Anahitas Aufzeichnungen wieder ein. Zwar ist seine Urgroßmutter mittlerweile verstorben, doch nagt an ihm der Gedanke, dass er das Versprechen, das er ihr gegeben hatte, nie eingelöst hat. Ari macht sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit, nach Anahitas verlorenem Sohn und nach den Wurzeln seiner Familie.

London, 2011. Rebecca Bradley landet völlig überstürzt in London, wo sie für den Dreh zu einem Film erwartet wird. Kurze Zeit vorher hat ihr Freund Jack Heyward einen Heiratsantrag gemacht, den Rebecca nicht beantwortet hat. Dennoch sind die Zeitungen plötzlich voll von der überraschenden Verlobung der beiden und die Presse ist hinter ihr her.

Um so dankbarer ist sie, als sie erfährt, dass sie während der Dreharbeiten auf dem uralten englischen Landsitz Astbury Unterschlupf finden kann. Fern ab von der Presse, hofft Rebecca, die Antwort zu finden, die sie Jack eigentlich immer noch schuldet. Es ist eine besondere Ehre, dass Rebecca auf dem Landsitz wohnen darf, denn der letzte Lord Astbury lebt zurückgezogen von der Welt und mag eigentlich keine Besucher. Dass er seinen Landsitz als Filmkulisse zur Verfügung stellt, ist den Geldnöten des Lords geschuldet.

Rebecca fühlt sich wohl an diesem Ort, der ihr Ruhe und Frieden beschert. Die Filmarbeiten kommen gut voran, bis Haushälterin und Lord Astbury feststellen, dass Rebecca eine frappierende Ähnlichkeit mit seiner verstorbenen und hochverehrten Großmutter Violet hat. Von da an weicht der Lord Rebecca nicht mehr von der Seite.

Für mich war es das erste Buch von Lucinda Riley. Schon vor dem Lesen hat mich die Aufmachung des Buches ganz für es eingenommen. Eine verträumt-idyllische Landschaft mit einem alten Herrensitz im Hintergrund, am oberen Ende dicke sattrote Rosenblüten, die in das Bild rein ragen. Ein dazu passendes Lesezeichen sowie ein Lesebändchen runden den ersten Eindruck sehr positiv ab.

Die Geschichte gliedert sich in zwei Handlungsstränge. Zum einen wird die Geschichte von Anahita erzählt. Zum anderen begleitet der Leser Rebecca in der Gegenwart bei ihrem Aufenthalt in Astbury.

Zunächst entwickeln sich beide Handlungsstränge alleine weiter, ohne dass man eine sichtbare Verbindung zwischen ihnen erkennen kann. Die Geschichte spielt teilweise in Indien und teilweise in England. Erst nach und nach wird deutlich, wie Anahitas Geschichte mit der Geschichte von Astbury zusammenhängt.

Faszinierend fand ich die Beschreibungen von Anahita, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Indien spielen. Farbenprächtig erzählt die Autorin von Anahitas Leben als Gefährtin einer Prinzessin und wie sie nach einigen unglücklichen Tagen zur Freundin einer anderen Prinzessin wurde. Die Autorin versteht es, mit Worten die Exotik Indiens vor den Augen der Leser lebendig werden zu lassen.

Wie nüchtern wirken dagegen die Passagen, in denen sich der Leser Rebecca wieder widmen muss. Doch auch diese Geschichte hat ihren Reiz, wenn auch auf eine ganz andere Art. Rebecca kommt eher zufällig nach Astbury und stellt fest, dass sie einer Bewohnerin von Astbury zum Verwechseln ähnelt. Wie kann das sein? Ohne es recht zu wollen, macht sie sich auf die Suche nach der Geschichte von Astbury und ihren Bewohnern. Dabei bekommt sie unerwartete Hilfe von Ari, den sein Weg ebenfalls nach Astbury geführt hat.

Die Figuren sind so facettenreich wie im wahren Leben. Lucinda Riley schafft es, jeder Figur ihren eigenen Charakter einzuhauchen und sie so für den Leser greifbar zu machen. Natürlich sind Anahita und Rebecca die Hauptprotagonisten. Auch Ari kann sich einen Platz direkt dahinter behaupten, wirkt jedoch nicht so plastisch wie die beiden Frauen. Liebenswerte Nebendarsteller wie die Haushälterin von Astbury oder die Freundin von Anahita finden sich ebenso wie unsympathische Charaktere in dem Buch. Jede Figur ist anders und wirkt damit um so glaubwürdiger und lebendiger.

Beide Handlungsstränge haben ihr eigenes Tempo. Mir kam es so vor, als wäre die Geschichte von Anahita fesselnder und spannender als die von Rebecca, der man deutlich anmerkt, wie sehr sich Rebecca nach Ruhe sehnt und wie verunsichert und verletzlich sie nach der Entdeckung der Ähnlichkeit doch ist. Aber gerade diese Abwechslung zwischen den beiden Strängen macht das Buch so besonders. Man bekommt als Leser eine Atempause, ohne dass die Geschichte dafür langweilig oder zäh werden muss. Sie bleibt durchweg spannend, wechselt lediglich das Tempo.

Die Geschichte ist in sich schlüssig und rund. Sie lädt zum Weiterträumen ein und lässt den Leser das Buch mit einem zufrieden Seufzer zuklappen. Gefehlt hat mir nur ein Glossar, in dem die indischen Begrifflichkeiten erklärt werden. Manches konnte man sich zwar aus dem Kontext heraus erschließen, doch einiges musste ich als unklar hinnehmen. Auch ein Nachwort zur Entstehung der Geschichte habe ich vergeblich gesucht.

Trotzdem war dies eine sehr schöne und fesselnde Familiengeschichte, an die ich mich noch lange zurückerinnern werde.

Fazit:
Eintauchen in den Zauber Indiens und im kalten England auf Spurensuche gehen, wer diese Kombination mag, wird bei diesem Buch fündig. Für mich war das Buch schon jetzt ein Lesehighlight im Lesejahr 2014 und ich kann es jedem Leser, der geheimnisvolle Familiensagas mag, nur ans Herz legen.

Jary, Micaela: Die Bucht des blauen Feuers

Die Bucht des blauen Feuers
Micaela Jary
Love & Landscape
Goldmann
16. Oktober 2016
Taschenbuch
416

 

Das neuste Buch von Micaela Jary beginnt in Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts. Die junge Emma Thieme verarbeitet gerade den Verlust ihres Vaters und muss sich mit der Frage beschäftigen, was aus dem Photoatelier werden soll, als sie Dorothee von Hirschberg kennenlernt.

Dorothee von Hirschberg hat ein Engagement in Südwestafrika erhalten und möchte zuvor noch einige Aufnahmen für Werbeplakate von sich machen lassen. Allerdings ist der dafür ausgewählte Fotograf – Emmas Vater – bei einem Unfall ums Leben gekommen.

So begegnen sich zwei Frauen, die zunächst nichts verbindet. Als Emma dann während des Besuchs von Dorothee Briefe ihrer tot geglaubten Mutter aus Südwestafrika findet, beschließen die Frauen, dass Emma Dorothee in die Kolonie als Reisefotografin begleiten wird.

Doch wie wird Emmas Mutter auf den überraschenden und unverhofften Besuch ihrer Tochter reagieren? Was hat es mit Manfred von Paschen auf sich, der den beiden Frauen während der Fahrt nicht von der Seite weicht?

Das Cover ist wunderschön. Am Ende des Buches findet man ein Nachwort der Autorin zur Geschichte und eine übersichtliche Zeittafel.

Mit Begeisterung habe ich mich ans Lesen gemacht und durfte mich über einige spannende Stunden im Leben von Emma Thieme freuen.

Die Autorin hat sehr gründlich zur Thematik recherchiert. Gerade bei den Ausführungen zur Photographie, dem Klavierspielen oder dem Leben in den Kolonien und dem Diamantenhandel wird dies deutlich. Leider habe ich bei dem einen oder anderen Fachbegriff einen erklärenden Glossar vermisst. Der Kontext jedoch hat in den meisten Fällen Aufschluss gegeben.

Die Protagonisten werden nach und nach in die Geschichte eingeführt und man lernt sie im Verlauf immer genauer kennen. So bleiben sie zu Beginn etwas farblos, nehmen aber mit Fortschreiten der Geschichte Farbe und Gestalt an, so dass sie dem Leser am Ende als gute Freunde ans Herz gewachsen sind.

Die Handlung startet mit einem Prolog, der mit der Mutter von Emma beginnt. Zunächst ist unklar, um wen es geht. Man kann vom Klappentext her Vermutungen anstellen. Dann geht es 1909 in Berlin bei Emma Thieme los.

Die Geschichte beinhaltet viele Wendungen und Spannungspunkte. Im letzten Drittel zieht die Autorin die Spannung noch einmal an und macht aus dem Roman einen kleinen Krimi. Ein ruhigeres Ende lässt den Leser die Geschichte weiter träumend zurück.

Sprachlich ist das Buch in der heutigen Sprachgebung geschrieben und daher einfach und leicht lesbar. Als Leser ist man immer am überlegen, wie es weiter geht bzw. was es mit den einzelnen Protagonisten auf sich hat. So verfliegen die Seiten und ehe man es sich versieht, muss man ins 21. Jahrhundert zurückkehren.

Fazit:

Ein wunderschöner Roman, der dem tollen Cover gerecht wird.
Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine Reise nach Südwestafrika und zeigt die Lesensweise zu Beginn des 20. Jahrhunderts logisch und nachvollziehbar auf.
Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Reise mit Micaela Jary – wohin sie auch gehen mag!

El Omari: Das Elfenbeinzimmer

Das Elfenbeinzimmer
Leila El Omari
Love & Landscape
Piper Taschenbuch
13. April 2015
Taschenbuch
352

Nach dem Tod ihrer Mutter hält Jana nichts mehr in Deutschland. Zwar will sie den Stoffhandel ihrer Mutter weiterführen, doch kann sie dies ebenso gut von Ceuta (Marokko) aus tun. Schwieriger wird es da für ihre 16jährige Schwester Marla, für das sie das Sorgerecht hat und die mit umziehen muss, ob sie nun will oder nicht.

Jana findet in Ceuta Zuflucht bei ihrem Noch-Ehemann Joaquín, von dem sie bereits seit einiger Zeit getrennt lebt. In einem geheimnisvollen Haus der Familie Mariscal versuchen nicht nur Jana und Marla mit der Vergangenheit klar zu kommen, diese abzuschließen, um letztlich neu anfangen zu können.

Die Geschichte lässt sich sehr gut lesen. Man kann sowohl Janas Ambitionen, wie auch Marlas Verzweiflung und ihre Rebellion sehr gut nachspüren und sich so in die Figuren einfühlen. Ein wenig Probleme hatte ich dagegen mit dem geheimnisvollen Haus. Dieses wird sehr detailliert beschrieben, so dass ich mir zwar die einzelnen Räume, nicht aber das komplette Haus vorstellen konnte. Es war ein wahres Labyrinth, in dem ich mich gedanklich immer wieder verirrt habe.

Aber nicht nur das Haus birgt das eine oder andere Geheimnis in seinen Grundmauern. Auch deren Bewohner werden von dunklen Schatten der Vergangenheit verfolgt und Jana macht es sich zur Aufgabe, nicht nur das Haus, sondern auch die Geheimnis der Bewohner zu erkunden und diese offen zu legen.

So begibt sich der Leser bald schon auf eine interessante Entdeckungsreise durch das Haus und in die dunkle Vergangenheit der Familie Mariscal. Wie gegensätzlich wirkt dann dazu das rebellische Verhalten von Marla, die auf ihre Weise versucht, mit der Trauer um ihre Mutter, den Verlust der Heimat und dem Leben in Ceuta zurecht zu kommen.

Laila El Omari schafft mit diesem Buch einen Roman, bei dem man viele Facetten kennenlernt. Die Düsternis des Hauses versus die Farbenpracht Marokkos ist dabei nur ein Aspekt.

Letztlich bekommt der Leser aber nicht nur einen Einblick in die gegenwärtige Situation geboten, sondern er darf auch für kurze Passagen zurück in die Vergangenheit des Hauses und der einstigen Bewohner reisen. Immer wieder finden sich kurze Abschnitte, die den Leser entweder ins 17. Jahrhundert zurückschicken oder Anfang der 80er Jahre.

Fazit:
Ein faszinierendes Buch über ein geheimnisvolles Haus, eine düstere Vergangenheit und der Hoffnung, den Vorhang des Schweigens zu durchbrechen und wieder Hoffnung in die Zukunft zu stecken.