11.10.2019: Der Wein des Weltreiches – Vortrag und Verkostung mit Michael Kuhn im Lobdengau-Museum, Ladenburg

Lobdengau-Museum, Ladenburg
(c) Carmen Vicari
Lobdengau-Museum, Ladenburg
(c) Carmen Vicari
Dr. Andreas Hensen
(c) Carmen Vicari

Gestern führte mich mein Weg mal wieder in die schöne Römerstadt Lopodunum oder wie wir sie heute kennen: Ladenburg. Das Lobdengau-Museum lud zu einem ganz besonderen Abend im historischen Weinkeller der Wormser Bischöfe ein. Der Historiker und Buchautor Michael Kuhn stellte an diesem Abend nicht nur sein neustes Sach- und Rezeptebuch „Der Wein des Weltreichs an Mosel und Rhein“ vor, auch gab es während seines Vortrags nicht nur Anschauungsmaterial, es durfte auch das eine oder andere verkostet werden.

Und so begab ich mich gespannt in die Katakomben des Museums, das thematisch hervorragend auf den Abend einstimmte und dem Vortrag eine ganz spezielle Atmosphäre einhauchte.

Der Leiter des Museums Dr. Andreas Hensen begrüßte pünktlich um 19 Uhr die anwesenden Gäste und gab einige interessante Einblicke hinsichtlich der Verbindung und Rolle von Ladenburg zur Römerzeit und der Weinkultur. Dieser regionale Bezug zum aktuellen Buch von Michael Kuhn bestätigte einige der Anwesenden, überraschte so manche aber auch und machte auf jeden Fall neugierig auf den Vortrag des Autors.

Nach diesem Einstieg, gab es auch schon die erste Probe: ein römischer Aperitif (Musulum). Das Rezept hierzu findet man im Buch auf Seite 94.

römischer Aperitif
(c) Carmen Vicari
römischer Aperitif
(c) Carmen Vicari

Michael Kuhn hat eine sehr lebendige Art, trockene Fakten, zahlen und technische Abläufe darzustellen und dem Zuhörer näher zu bringen. Unterstützt wurde er dabei von einigen Bildern, die mit einem Beamer an die Wand geworfen wurden. Viel interessanter war jedoch das Anschauungsmaterial, das der Autor mitgebracht hat. So berichtete er zunächst, wie es überhaupt zur Weinherstellung kam und dass die Idee dazu wohl mehr einem Zufall entsprang. Immerhin bedarf es nur einem gegerbten Fell, einem Weidekorb, Trauben und einem verschließbaren Tongefäß. Den Rest erledigte die Natur in Verbindung mit der Zeit.

Traubensaft wird mit Hilfe einer Tierhaut in ein Gefäß gefüllt
(c) Carmen Vicari
Traubensaft wird mit Hilfe einer Tierhaut in ein Gefäß gefüllt
(c) Carmen Vicari

Weiter ging es wieder mit Fakten und Zahlen, gefolgt von der Erläuterung, wie der Unterschied zwischen einer Wildrebe und einer Kulturrebe zu erkennen sei und wo deren Vorkommen ist. Auch ging der Autor auf die Wanderbewegungen der Kulturrebe ein, zeigte Landkarten mit den vermuteten Wegen und verfolgte ihren Ursprung bis ins Jahr 7.000 v. Chr. Bis nach Jiahu Henan zurück.

Michael Kuhn 
(c) Carmen Vicari
Michael Kuhn
(c) Carmen Vicari

Zur Wein- und Trinkkultur, zitierte der Autor Martial:

„Wer da glaubt, dass Acerra noch riecht nach dem Weine von gestern, irrt sich: Acerra trinkt stets bis in den hellichten Tag.“

(S. 45, Der Wein des Weltreichs, Michael Kuhn, 2019)

Neben einem Ausflug an die Mosel und die dortigen Weinlagen im 4. Jahrhundert, führte der Weg dann noch nach Neumagen zum sogenannten Weinschiff, bei dem der Autor Zweifel hegt, ob es sich wirklich um ein Weinschiff handelt.

Im Folgenden ging es um die Frage: Welchen Wein haben die Römer bevorzugt getrunken?

Das Ziel war wohl, einen möglichst süßen Wein zu erzeugen, die Realität dürfte jedoch ein trockner Wein gewesen sein.

Es folgte die zweite Probe: ein trockener Riesling, ein Römerwein von der Mosel. Dazu gab es kleine Käsehäppchen und Mostbrötchen (Mustei). Von letzterem findet man auch das Rezept wieder im Buch (S. 96).

Mostbrötchen vom Autor gebacken
(C) Carmen Vicari
Mostbrötchen vom Autor gebacken
(C) Carmen Vicari

Als nächstes griff der Autor die Theamtik Panschen und Manipulieren auf. 2 freiwillige Probanden aus dem Publikum durften sich davon überzeugen, wie leicht man einen Wein geschmacklich verändern und „panschen“ kann. Das Ergebnis durften dann alle Gäste selbst in einer 3. Probe verkosten (S. 92 im Buch).

Das letzte Thema widmete sich dem Harzen von Tongefäßen und deren Auswirkung auf den Wein. Auch hier findet man wieder ein Rezept im Buch (S. 90). Der Resina oder Rezina, wie er in Griechenland genannt wird, wird heute noch so hergestellt, traf aber nicht meinen Geschmack.

„Doch du, Wasser, geh fort, wohin du Lust hast,
Du Verderben des Weins, und geh zu Muckern (Spaßbremsen)!
Hier gibt’s jetut nur noch reinen Dionyser.“

(S.49, Catull, Trinklieder, Der Wein des Weltreichs, Michael Kuhn, 2019)

Nach einer aktiven Fragrunde, endete der Abend leider schon viel zu schnell. Natürlich stand der Autor auch für weitere Fragen und auch Signierung zur Verfügung. Auch durfte noch weiter verkostet werden.

Dr. Andreas Hensen und Michael Kuhn
 (c) Carmen Vicari
Dr. Andreas Hensen & Michael Kuhn
(c) Carmen Vicari

Es war ein ganz besonderer Abend. Das Buch gibt interessante Einblicke in die Weinkultur des römischen Weltreiches, die der Autor lebhaft zusammengefasst hat. Zwar ist das Buch zum einen ein Sachbuch, aber es gibt auch eine kleine Erzählung (etwa 20 Seiten), in der ein römischer Domänenverwalter seinen Alltag beschreibt. Im Anhang findet man 6 Rezepte.

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